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Dämmerungssehen

Im Auge befinden sich spezielle lichtempfindliche Sinneszellen. Diese Sinneszellen umfassen die Stäbchen sowie Zapfen und wandeln Lichteinfall in Spannungssignale um. In den Fotorezeptoren der Netzhaut von Wirbeltieren führt also Lichtabsorption zu elektrischen Reizen. Im menschlichen Auge existieren drei Arten von Fotorezeptoren: Zapfen, Stäbchen und Ganglienzellen. Die Stäbchen und Zapfen übernehmen die Bilderkennung, die Ganglienzellen zeichnen sich für die Regelung des Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich. In der menschlichen Netzhaut existieren rund 120–130 Millionen Stäbchen. Sie sind lichtempfindlicher als Zapfen und erlauben erst das Hell-Dunkel-Sehen. Die Anzahl der Zapfen beträgt ungefähr 6 Millionen. Sie übernehmen die Farberkennung und erlauben das Sehen am Tag. Das Tagsehen nennt man photopisches Sehen und das Nachtsehen skotopische Sehen. Darüber hinaus existiert auch ein Übergangsbereich.

Das Sehen bei wenig Licht

Beim mesopischen Bereich werden sowohl Zapfen als auch Stäbchen zum Sehen genutzt. Hier beträgt die Leuchtdichte bis etwa 3 bis 30 cd/m2. Diese Anpassungsfähigkeit nennt man Bezold-Brücke-Phänomen. Die Stäbchen sind darüber hinaus für Farbreize im kurzwelligen Bereich deutlich empfindlicher als die Zapfen. Dadurch wird ein anderer Eindruck verschiedener Farben vermittelt. Diese Änderung der Farbwahrnehmung macht sich gerade in der Dämmerung deutlich bemerkbar.
Bei einer Untersuchung des Dämmerungssehens testet man die Funktion der Stäbchen-Zellen. Auch bei völlig gesunden Augen ist das Sehen bei der Dämmerung und in der Nacht deutlich schwieriger und schlechter ist als bei Tageslicht. Des Weiteren nimmt bei zunehmendem Alter und Augenkrankheiten diese Fähigkeit mehr und mehr ab.

Reduzierte Beleuchtungsverhältnisse

Jedes Auge gerät unter reduzierten Lichtverhältnissen, also bei der Dämmerung und in der Nacht, schnell an die Leistungsgrenze. Bei plötzlich auftauchendem Licht wird das Auge zudem überfordert und muss nach einem vorübergehenden Verlust an visueller Information erst wieder adaptieren. Wenn also das Dämmerungssehen noch durch Trübungen des Auges erschwert wird, kann das u.a. im Straßenverkehr eine große Rolle spielen, da Faktoren wie Dunkelheit, wechselnde Wetterverhältnisse, nachlassende Kontraste und Blendungen die Sicht erheblich behindern. Hierbei muss erwähnt werden, dass ein intaktes Sehvermögen am Tag kein intaktes Sehen in der Nacht garantiert. Dies trifft gerade bei älteren Kraftfahrern zu.

Untersuchungen der Sehkraft im Dämmerlicht

Die Nyktometrie zählt zu den diagnostischen Verfahren der Augenheilkunde. Sie dient der Prüfung der Dämmerungssehschärfe, die via Stäbchen ermöglicht wird. Der Begriff ist nicht exakt, da keine Sehschärfe an sich gemeint ist, sondern das Zusammenspiel zwischen Kontrastempfindlichkeit und Sehschärfe im Dämmerungssehen. Die ermittelte mesopische Kontrastschwelle bezeichnet man als Dämmerungssehschärfe. Die Anpassungsfähigkeit der Hell-Dunkel-Adaptation bestimmt man via Adaptometrie. Diese ist von der Nyktometrie zu unterscheiden. Das Dämmerungssehen ist zwischen dem Sehen bei Tag und dem Sehen bei Nacht anzusiedeln. Die Prüfung der Dämmerungssehschärfe ist nicht mehr für den Führerschein Pflicht, allerdings empfiehlt sie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft.
Bei dieser Untersuchung sitzt der Patient vor einem Nyktometer. Andere Lichtquellen im Untersuchungsraum können ausgeschaltet werden. Der Patient sieht durch das Gerät Sehzeichen, die an definierten Stellen geöffnet sind. Die Größe und der Kontrast variiert der Prüfer. Zuerst zeigt man einen hohen Kontrast, der laufend verringert wird. Bei jeder Kontraststufe müssen drei von fünf Sehzeichen richtig erkannt werden. Darüber hinaus erlaubt die Nyktometrie eine Prüfung der Blendempfindlichkeit. Die Untersuchung der Kontraststufen wird sowohl mit als auch ohne Blendung ausgeführt. Die Blendung erfolgt dabei u.a. analog zum Straßenverkehr von der linken Seite.