Bevacizumab

Bevacizumab: Off-Label-Therapie bei feuchter altersbedingter Makuladegeneration

Die altersbedingte Makuladegeneration – insbesondere die seltenere und aggressivere feuchte Ausprägung – ist weiterhin die häufigste Ursache von Erblindungen in den westlichen Industrienationen. Nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt kann diese tückische Erkrankung insbesondere bei Menschen jenseits des 70. Lebensjahres zu einer irreversiblen Verschlechterung der Sehschärfe führen. Der Grund ist eine krankhafte Gefäßneubildung im Auge. Bei der feuchten Form der AMD können jene Gefäße zunehmend bis zur Netzhautmitte vordringen. Dabei entstehen neue, dünne und damit instabile Gefäße. Im nächsten Schritt kommt es zu Blutungen im Auge, die die Makula – den Punkt des schärfsten Sehens – nachhaltig schädigen.

Die moderne Augenheilkunde hat die Ursachen und Ausprägungen der altersbedingten Makuladegeneration mittlerweile gut erforscht. Die Krankheit gilt weiterhin als unheilbar, jedoch immer effektiver behandelbar. Betroffene können dementsprechend bei rechtzeitiger Diagnose ein weitgehend normales Leben ohne extreme Beeinträchtigungen führen. Der Schlüssel liegt seit 2004 in der so genannten Anti-VEGF-Therapie, bei der der namensgebende Botenstoff VEGF gezielt gehemmt wird. Vereinfacht erklärt lässt dieser „Vascular Endothelial Growth Factor“ („Gefäßendothel-Wachstumsfaktor“) die unerwünschten Blutgefäße wachsen. Die gezielte VEGF-Hemmung kann durch verschiedene Medikamente erfolgen, die direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt werden. Eine solche Therapie ist wesentlich vorteilhafter als eine Verödung mit dem Laser oder ein komplexer chirurgischer Eingriff, bei dem das angestaute Blut abgesaugt werden muss.

Relativ häufig werden Sie im Kontext der AMD-Therapie auch auf den Wirkstoff Bevacizumab treffen. Dahinter verbirgt sich ein Angiogenesehemmer, der die Neubildung von Blutgefäßen im menschlichen Körper sukzessive reduzieren kann. Vielen unter dem Handelsnamen Avastin des Schweizer Pharmagiganten Roche geläufig, wird Bevacizumab heute primär zur Behandlung von fünf weitverbreiteten, besonders agressiven Krebsarten (Darm-, Lungen-, Brust-, Nieren- und Eierstockkrebs) verabreicht.

In der Augenheilkunde erfolgt stellenweise die nicht-zugelassene Anwendung bei Indikationen der feuchten altersbedingten Makuladegeneration. In diesem Kontext ist von einem so genannten „Off-Label-Use“, d.h. einer ursprünglich nicht vorgesehenen Nutzung, die Rede. Eine solche ist in diesen und vielen anderen Fällen umstritten. Grundsätzlich versucht der Gesetzgeber jedoch seit Jahren eine breitere Nutzung von Medikamenten gezielt zu ermöglichen, um Therapieansätze nicht zuletzt einem größeren Kreis zu besseren Konditionen zugänglich zu machen. Augenärztliche Experten betonen im Hinblick darauf immer wieder, dass die Wirksamkeit von Bevacizumab im Vergleich zu den wesentlichen teuren, zum genannten Zweck vorgesehenen Medikamenten identisch ist. Neben der AMD wird Bevacizumab auch im Nachgang an Glaukom-Operationen verabreicht, um die Gefäßbildung zu kontrollieren und einer Abkapselung des Sickerkissens vorzubeugen.