Lexikon»Anatomie»Augenlid - Aufbau und Funktion

Augenlid - Aufbau und Funktion

Das Augenlid ist eine aus Drüsen, Bindegewebe, Muskeln sowie Haut bestehende Falte, die die vordere Begrenzung der Augenhöhle ausmacht. Zwischen dem Ober- und Unterlid gibt es eine Öffnung, die Lidspalte genannt wird. Als Lidwinkel bezeichnet man die Stelle, an der beide Lider im geschlossenen und offenen Zustand zusammentreffen. Durch einen Lidschlussreflex schützt das Lid ein Auge vor äußeren Fremdkörpern und Einwirkungen. Darüber hinaus sorgt das Augenlid dafür, dass die Tränenflüssigkeit über den Teil der äußeren Augenhaut verteilt wird. Die empfindliche Hornhaut wird somit beständig und gleichmäßig feucht gehalten.
Der genaue Aufbau kann sich je nach Spezies unterscheiden. Man bezeichnet die Augenlider als Anhangsorgan des Auges. Beim Menschen gehören Muskeln, die für Augenlider zuständig sind, zur Gruppe der mimischen Gesichtsmuskulatur. Somit wird die Bildung der Mimik und des Gesichtsausdrucks unterstützt. An den Lidern kann man daher die momentane Verfassung sowie den Gemütszustand ableiten.

Reflex oder willkürliche Bewegung?

Man bezeichnet das Öffnen und Schließen der Augenlider als Lidschlag oder Blinzeln. Diese Bewegung erfolgt sowohl willkürlich als auch unwillkürlich über den Lidschlussreflex. Dieser Reflex schließt die Augenlider nach entsprechenden Reizen vollständig. Diese Reizschwelle kann allerdings aufgrund bestimmter Krankheiten herabgesetzt sein. Das Schließen erfolgt in der Regel schneller als das Öffnen. Im Normalfall beträgt die Häufigkeit des Lidschlags beim Menschen etwa 10–12 Lidschläge pro Minute. Das Verschließen findet über das Zusammenwirken von Ober- und Unterlid statt. Die Bewegung erfolgt dabei synchron.

Zusammensetzung

Das Lid besteht aus einem äußeren und einem inneren Blatt. Das innere Blatt setzt sich aus dem bindegewebigen Septum orbitale, das zwischen Periorbita und dem Tarsus palpebrae zu finden ist, und dem Tarsus. Man bezeichnet diesen Teil häufig als Lidknorpel, jedoch handelt es sich um eine von straffen Kollagenfasern durchzogene Bindegewebsplatte. Beim Menschen besitzt dieser eine Dicke von etwa 1 Millimeter, eine Breite von 25 Millimetern und eine Höhe zwischen 10 Millimetern im Oberlid und 5 Millimetern im Unterlid. Aus dem Umschlag des Oberlides kann sich eine Deck-, Lid- oder Umschlagsfalte bilden. Sie bildet sich aus dem Ansatz der Levator-Aponeurose und verläuft parallel zur Lidkante. Das Fehlen deutet auf eine vermehrte Fetteinlagerung hin. Eine Unterlidfurche ist nur sehr gering, unauffällig und nur bei einem Blick nach unten ausgeprägt.
Bei Säugetieren sitzen die Wimpern an den Lidrändern. Sie tragen zur Schutzfunktion der Augenlider bei, indem sie Staubpartikel und Fremdkörper vom Auge fernhalten. Um die Wimpern gibt es diverse Drüsen. Damit die Tränenflüssigkeit nicht über der Lidkante überläuft, wird in den Meibom- und Zeis-Drüsen die sogenannte „Augenbutter“ gebildet. Die meist eingetrockneten gelblichen Sekretreste im inneren Lidwinkel werden nach dem Schlaf umgangssprachlich tatsächlich als „Schlaf“ bezeichnet und aus den Augen gerieben. Die zudem vorhandenen Moll-Drüsen zeichnen sich für die Schweißproduktion verantwortlich.