Lexikon»Erkrankungen»Amblyopie (Krankheitsbild)

Amblyopie (Krankheitsbild)

Als Amblyopie oder Schwachsichtigkeit bezeichnen der Augenarzt und der Optiker verschiedene Sehfehler, die oft bereits in frühester Kindheit auftreten. Werden sie rechtzeitig erkannt, ist in vielen Fällen eine effektive Behandlung mit weitgehender Wiederherstellung der Sehkraft möglich. Die entsprechenden Erfolge kann der Augenarzt jedoch nur so lange erzielen, wie die kindliche Wachstumsphase des Patienten noch anhält. Hat erst einmal die Pubertät begonnen, sind die bis dahin eingetretenen Schäden zumeist nicht mehr korrigierbar. Dann bleibt nur noch der Ausgleich der Fehlsichtigkeit durch Kontaktlinsen, Brillen und andere Hilfsmittel vom Optiker.

View Video

Ein stumpfes Auge

Typischerweise ist von der Amblyopie nur ein Auge betroffen. Dieses wird daher auch als stumpfes Auge charakterisiert. Gegenüber dem nicht betroffenen Auge weist es eine deutlich herabgesetzte Sehleistung auf, ohne dass die Untersuchung beim Optiker oder Augenarzt dafür eine klare körperliche Ursache zutage fördern würde. Aus welchen Gründen sich das Sehsystem des betroffenen Kindes nicht korrekt entwickelt, ist unbekannt. Klar ist hingegen, dass bei rechtzeitiger Diagnose ein Gegensteuern möglich ist. Eltern sind deshalb gut beraten, die Sehleistung ihrer Kinder regelmäßig überprüfen zu lassen. In manchen Fällen lässt die Sehkraft des schwachen Auges so stark nach, dass hier fast Blindheit eintrifft. Auch dann ist durch eine gute und effektive Behandlung beim Augenarzt aber eine sehr weitgehende Wiederherstellung der Sehkraft möglich.

Die wichtigen ersten Lebensmonate

Als wichtigste Phase für die Entwicklung des Sehsystems gelten die ersten drei oder vier Lebensmonate des Kindes. Treten hier Störungen auf, können Veränderungen im Gehirn, auf der Netzhaut des Auges und auch am Sehnerv die Folge sein. Manche Störungen sind angeboren, andere entwickeln sich in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt. Zu den möglichen Symptomen gehören einseitig sehr schlechtes Sehvermögen, Schielen oder stark unterschiedliche Brechungen des einfallenden Lichts im linken und rechten Auge.

Behandlung unbedingt vor der Pubertät

Liefern Sehtests beim Optiker oder beim Augenarzt Hinweise auf eine mögliche Amblyopie, muss möglichst rasch die Therapie eingeleitet werden. Es ist wichtig, dass die Maßnahmen exakt auf die Situation des zumeist noch kleinen Patienten abgestimmt werden. Bei einer Schiel-Amblyopie beispielsweise kann es sinnvoll sein, gezielt das schwache Auge zu trainieren, indem das stärkere zeitweise abgeklebt wird. Mitunter muss der Augenarzt vor dem Beginn der Therapie mögliche organische Ursachen für die Sehschwächen beseitigen, entweder durch die Gabe von Medikamenten oder durch eine Operation. Gut angepasste Brillen oder Kontaktlinsen vom Optiker ermöglichen zwar scharfes Sehen, beseitigen aber nicht die Ursachen der Fehlsichtigkeit. Anders als später im Erwachsenenalter sind genau diese grundlegenden Verbesserungen vor Beginn der Pubertät aber noch zu erreichen. Deshalb schöpfen Augenarzt und Optiker alle Möglichkeiten aus, die Sehfähigkeit optimal zu trainieren. Ist es bis etwa zum zehnten Lebensjahr gelungen, wesentliche Verbesserungen zu erzielen, so bleiben diese dauerhaft erhalten. Umgekehrt gilt aber auch, dass zu diesem Zeitpunkt noch vorhandene Sehfehler sich selbst mit den besten Behandlungsmethoden nicht mehr beseitigen lassen. Ab dem zehnten oder zwölften Lebensjahr müssen dann also Sehhilfen vom Optiker vollbringen, wozu die Augen nicht in der Lage sind. Kontaktlinsen oder Brillen werden für die Betroffenen zu in der Regel lebenslangen Begleitern.