Kindliche Sehschwäche - Computerspiele sollen die Amblyopie-Therapie verbessern

Mehr als 5% aller Kinder in Deutschland leiden unter Amblyopie, eine häufige Form der Sehstörung. Wird diese Schwachsichtigkeit zu spät erkannt, droht Betroffenen später eine schwere Sehbehinderung, die sie beruflich wie gesellschaftlich beeinträchtigen kann. Im Rahmen eines EU-Projekts, an dem eine Forschungsgruppe der Frankfurter Universitätsaugenklinik teilnimmt, sollen neue Test- und Therapieansätze entwickelt und geprüft werden: Computerspiele sollen die Sehfähigkeit von Kindern verbessern.

Auf der DOG 2017 vom 28. September bis 1. Oktober 2017 präsentierten Experten diese Methoden und zeigten, dass auch Jugendliche und junge Erwachsene von einer Amblyopie-Therapie profitieren.

Computerspiele als Therapie bei Amblyopie

Bei der Standard-Therapie gegen Schwachsichtigkeit bekommt der Patient eine Brille gegen die Fehlsichtigkeit. Anschließend wird bei der so genannten Okklusionsmethode das sehstarke Auge mit einem Augenpflaster abgedeckt, um die Sehstärke des schwachen Auges zu trainieren. Mithilfe neurowissenschaftlicher Untersuchungen ist es Forschungsgruppen des EU-Projekts gelungen, Computerspiele zu entwickeln, die das schwachsichtige Auge und auch die beidäugige Zusammenarbeit stimulieren. Diese Spiele sollen in der Forschungseinheit „Sehstörungen des Kindesalters“ an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Frankfurt am Main erstmalig in Deutschland erprobt werden.

„Dieser neue Therapieansatz verspricht nicht nur eine bessere Wirksamkeit. Auch die Therapietreue der Patienten könnte durch anregende Spiele deutlich verbessert werden“, erläutert Professor Dr. med. Thomas Kohnen, Präsident DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft). Anders als bei der Okklusions-Methode wird bei der Therapie am Bildschirm das schwächere Auge durch Erhöhung des Bildkontrastes stimuliert, während das starke Auge gleichzeitig mit einem reduzierten Bildkontrast konfrontiert wird.

Neue Altersgrenze bei Therapierbarkeit

Lange galt das Einschulungsalter von sechs bis sieben Jahren als Grenze der Therapierbarkeit für Kinder mit Amblyopie. „Der Grund ist die Reifung des Sehsystems. Je ausgereifter die Gehirnteile sind, die Sehreize verarbeiten, desto geringer ist der Therapieerfolg“, erklärt Privatdozentin Dr. med. Maria Fronius, Leiterin der Forschungsgruppe „Sehstörungen des Kindesalters“ am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. „Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen uns jedoch, dass eine erfolgreiche Amblyopie-Therapie auch im Schulalter noch möglich ist.“ Zwar nimmt die Plastizität des Sehsystems bis zum 16. Lebensjahr ab. „Doch die Erkenntnis, dass die Sehstörung auch in der späteren Kindheit behandelt werden kann, eröffnet neue Möglichkeiten“, so Fronius.

Forschung mittels Virtual-Reality-Brillen

Die Gruppe um Fronius widmet sich darüber hinaus neuartigen Tests zur Untersuchung des beidäugigen, dreidimensionalen Sehens. „Wir nutzen hierfür moderne Display-Technologien mittels Tablet-PC, 3D-Monitor oder Virtual-Reality-Brillen“, erklärt die DOG-Expertin. Mit ihrer Forschung wollen die Wissenschaftler verhindern helfen, dass sehschwache Menschen von beruflichen Möglichkeiten wie einer Karriere als Pilot oder sozialen Aktivitäten wie Fernsehen, Kino und Computerspielen ausgeschlossen werden.

Risiken

Die Wissenschaftlerin warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen und auch vor möglichen Risiken. „Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen und die gewonnenen Erkenntnisse müssen in weiteren Studien erprobt werden“, sagt Fronius. Zugleich rät sie Patienten davon ab, sich im Internet alternativen Behandlungsmethoden ohne Rücksprache mit dem Arzt zu unterziehen. „Therapien sollten ausschließlich mit fachlicher Begleitung unter engmaschigen Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden“, betont die DOG-Expertin.

 

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft