Keine Zukunftsmusik: Schon heute können Brillen passgenau 3D-gedruckt werden

Passgenaue Innovation: Die Brille von heute kommt aus dem 3D-Drucker

Geht es um technologische Vorstöße, die unsere Welt in den kommenden Jahrzehnten nachhaltig verändern dürften, ist der 3D-Drucker für gewöhnlich in jeder Aufstellung nicht weit: Maschinen, die „echte“, dreidimensionale Werkstücke fertigen können, haben nicht zuletzt das Potential die Medizin zu revolutionieren – man denke beispielsweise an künstliche Organe bzw. Organteile, die passgenau für einen Patienten modelliert und binnen kürzester Zeit hergestellt werden. Was zuweilen nach Science-Fiction klingt, ist in Forschungslaboren schon heute zumindest teilweise Realität. Derweil werden 3D-Drucker immer erschwinglicher.

Bis wir Herzklappen und vergleichbare „Ersatzteile“ drucken können, werden noch einige Jahre ins Land gehen. Bis dahin versucht sich die noch kleine 3D-Druck-Industrie mal mehr, mal weniger erfolgreich an Lifestyle-Themen wie Schmuck, Spielzeug oder auch Brillen. Wenn man genauer hinschaut, sind letztere für das Thema 3D-Druck hoch prädestiniert: Brillen müssen individuell gefertigt werden. Neben der Gläserstärke spielend dabei auch Faktoren wie Kopfabmessungen eine Rolle. Können 3D-Drucker die Optikerzunft womöglich auf den Kopf stellen?

Beim Unternehmen „Frame Punk“ aus Berlin-Mitte beispielsweise ist diese Zukunft schon heute Realität: Das Startup bietet einen Online-Konfigurator an, über den man sich seine Wunschbrille mit wenigen Klicks zusammenstellen kann. Wer möchte, kann sich den Prototypen daheim auf Papier ausdrucken, ausschneiden und aufsetzen – um ein erstes Gefühl zu bekommen. Derweil wird die „echte“ Brille bei einem Betrieb in Bayern gedruckt. Die dafür notwendige Maschine schlägt aktuell noch mit mehr als 150.000 Euro zu Buche.

Eine Brille aus dem 3D-Drucker kostet bei „Frame Punk“ je nach Ausführung zwischen 150 und 250 Euro. Für die Fassung nutzen die Berliner Polyamid PA12, das deutlich biegsamer als herkömmlicher Kunststoff ausfällt. Gläser und Scharniere werden im letzten Schritt händisch angebracht. Nach etwa zwei Wochen liegt die maßgeschneiderte Lesehilfe im Briefkasten. Und was kommt als nächstes? Unabhängig davon ob dieses Konzept dauerhaft Anklang findet dürfte schon jetzt sicher sein, dass 3D-Druck bei der Brillenfertigung der Zukunft eine Rolle spielen wird.