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Kann man die frühe AMD mit einem Laser behandeln?

Keine andere Augenerkrankung bedroht das Sehvermögen so vieler älterer Patienten wie die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD): Knapp sieben Millionen Menschen in Deutschland sind von Frühstadien der AMD betroffen [1]. Bei einer Untersuchung der Netzhaut erkennt der Augenarzt bei ihnen „Drusen“, das sind Ablagerungen von Stoffwechselprodukten im Bereich des Sehzentrums – der Makula. Dies sind die ersten Anzeichen, die in den meisten Fällen noch keine Symptome hervorrufen. An einem Spätstadium der AMD leiden etwa 480 000 Menschen in Deutschland [1]. In einer neuen, gemeinsamen Erklärung nehmen der Berufsverband der Augenärzte (BVA), die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und die Retinologische Gesellschaft (RG) nun Stellung zur Lasertherapie von Drusen bei Altersabhängiger Makuladegeneration.

Altersabhängige Makuladegeneration – frühe und späte Formen

Bei der AMD unterscheiden Augenärzte zwischen der langsam fortschreitenden frühen Form und der aggressiveren Form der späten AMD. Die frühe AMD schreitet im Durchschnitt über einen Zeitraum von zehn Jahren zu einer späten AMD voran und verursacht wenige bis keine Symptome. Je nach Ausmaß der Ablagerungen (Drusen) und weiteren Veränderungen der Pigmentierung der Netzhaut unterteilt man die frühe AMD noch in ein sehr frühes und in ein mittleres Stadium. Bislang gibt es keine spezifischen Therapien, die das Entstehen oder Voranschreiten der AMD verhindern oder verlangsamen. Rauchen ist ein Risikofaktor und Personen mit erkrankten direkten Familienangehörigen haben ein erhöhtes Risiko. Die Einnahme von Spurenelementen und Vitaminen nach dem ARED-Studienschema scheint das Voranschreiten bei einigen Betroffenen zu verlangsamen.

Die späte AMD, von der etwa sechs bis sieben Prozent aller AMD-Patienten betroffen sind, kann man in eine trockene und eine feuchte Form unterteilen. Bei der trockenen Form, die zirka ein Drittel der Patienten mit später AMD betrifft, sterben nach und nach die Fotorezeptoren ab und das Gewebe verkümmert (Atrophie). Die Betroffenen können Farben nicht mehr so gut unterscheiden und die Sehschärfe lässt nach, bis schließlich in der Mitte des Gesichtsfelds ein blinder Fleck entsteht. Das äußere Gesichtsfeld bleibt dabei erhalten, so dass eine Orientierung im Raum möglich bleibt.

Bei etwa zwei Drittel der Patienten mit später AMD tritt die rasch fortschreitende feuchte AMD auf: In der Netzhaut bilden sich neue Blutgefäße, die jedoch mehr Schaden anrichten als dass sie die Versorgung der Fotorezeptoren verbessern würden. Sie sind undicht, so dass Flüssigkeit in das Gewebe austritt. Die Netzhaut wird von der darunterliegenden Zellschicht, dem retinalen Pigmentepithel abgehoben. Bei dieser Form der Krankheit sehen die Patienten verzerrt: Gerade Linien – wie etwa die Fugen zwischen Kacheln – erscheinen ihnen verbogen.

AMD© Alila Medical Media / Fotolia

Noch keine wirksame, zugelassene Therapie für Frühstadien

Während die späte feuchte AMD mit Medikamenten, die direkt ins Augeninnere gegeben werden, aufgehalten werden kann, gibt es bisher keine wirksame Therapie zur Behandlung der trockenen AMD und der AMD-Frühstadien (sehr frühe und mittlere AMD). Ein neuer Ansatz, der gegenwärtig erforscht wird, sind sogenannte „Mikropuls“- beziehungsweise „Subthreshold-Laserverfahren“, für die ein Mikropuls- bzw. Nanosekundenlaser eingesetzt wird. Dabei werden bestimmte Punkte in der Netzhaut mit ultrakurzen Laserpulsen behandelt. Dies soll eine Immunantwort des Körpers hervorrufen und die Bildung neuer Zellen anregen

Stellungnahme der Fachgesellschaften

Der Berufsverband der Augenärzte (BVA), die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und die Retinologische Gesellschaft (RG) weisen in einer vor Kurzem veröffentlichten Stellungnahme jedoch darauf hin, dass gegenwärtig kein ausreichender wissenschaftlicher Nachweis vorliegt, um die Wirksamkeit und auch die möglicherweise negativen Wirkungen dieses Verfahrens bei der AMD beurteilen zu können [3]. Die Fachgesellschaften fordern deshalb, dass retinale Lasertherapien bei AMD-Frühstadien nicht außerhalb von klinischen Studien durchgeführt werden sollten.

Aktuelle Studienergebnisse

Die Stellungnahme berücksichtigt die Ergebnisse einer im September 2018 veröffentlichten Studie, die im September 2018 in der Fachzeitschrift „Ophthalmology“ veröffentlicht wurde [2]. Bei dieser Studie erhielten die Patienten entweder alle sechs Monate eine Behandlung mit dem neuen Laserverfahren oder eine Scheintherapie. Im Verlauf von drei Jahren wurde beobachtet, wie sich in beiden Gruppen das Fortschreiten der Krankheit entwickelte. Insgesamt ergab sich dabei jedoch keine signifikante Verlangsamung der Progression zu einer fortgeschrittenen AMD durch die Lasertherapie. Die deutschen Fachgesellschaften urteilen daher, dass die bisher vorliegenden Ergebnisse nicht ausreichen, um die Wirksamkeit dieses Verfahrens bei der AMD beurteilen zu können.

Fazit

Um die mittel- und langfristige Wirksamkeit des Nanosekundenlasers zu beurteilen, sind weitere, größere, kontrollierte klinische Studien notwendig. Die bisher vorliegenden Ergebnisse reichen nicht aus, um die Wirksamkeit dieses Verfahrens und möglicherweise negative Wirkungen bei der AMD beurteilen zu können. Alle Arten von Laserbehandlungen der Netzhaut bei trockener AMD sollten deshalb nicht außerhalb von klinischen Studien durchgeführt werden.

Quellen:
Prof. Dr. med. Robert P. Finger
Universitätsaugenklinik Bonn
Ernst-Abbe-Str. 2
53127 Bonn

Prof. Dr. med. Carsten Framme
Direktor der Universitätsklinik für Augenheilkunde
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

1.Ergebnisse der Gutenberg Gesundheitsstudie, veröffentlicht auf: https://www.woche-des-sehens.de/infothek/zahlen-und-fakten/augenkrankheiten-zahlen-fuer-deutschland/
2.Guymer RH et al. Subthreshold Nanosecond Laser Intervention in Age-Related Macular Degeneration: The LEAD Randomized Controlled Clinical Trial. Ophthalmology. 2018 Sep 20. pii: S0161-6420(18)32135-3. doi: 10.1016/j.ophtha.2018.09.015. [Epub ahead of print]
3. Ergänzende Stellungnahme des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und der Retinologischen Gesellschaft: Lasertherapie von Drusen bei altersabhängiger Makuladegeneration (AMD), Stand: Oktober 2018. https://www.dog.org/?cat=7#9

Von |2019-04-01T10:21:59+02:001. April 2019|
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