Intraokularlinsen (IOL): Gut Sehen trotz grauen Star

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Eine Intraokularlinse (lateinisch: intra „innerhalb“; oculus „Auge“), kurz IOL, ist eine ins Auge implantierte Linse, die die natürliche Linse ersetzen oder ergänzen kann, um damit Sehfehler zu behandeln. Sie wird meist zur Behandlung des grauen Stars verwendet und ersetzt die körpereigene, eingetrübte Linse. Eine IOL besteht normalerweise aus einer kleinen optischen Linse aus Kunststoff und kann zusätzlich noch Haltestrukturen am Rand haben, um die Linse im Inneren des Auges an ihrem Platz zu halten.

Intraokularlinsen: Überblick

  • Intraokularlinsen sind Behandlungsoptionen zur Korrektur starker Fehlsichtigkeiten oder einer Erkrankung des grauen Stars.
  • Die IOL wird anstatt der Augenlinse (aphake Linsen) oder zusätzlich zur natürlichen Linse (phake Linsen) eingesetzt.
  • Aufgrund der unterschiedlichen optischen Eigenschaften lassen sich Intraokularlinsen in Standard- und Premiumlinsen unterscheiden.
  • Die Implantation einer IOL (Kataraktoperation) ist die häufigste Operation in Deutschland und hat eine Komplikationsrate von unter 1%.
  • IOLs sind eine Alternative zu LASIK oder implantierbaren Kontaktlinsen (ICL).

Intraokularlinsen: Einführung

Die erste IOL wurde 1949 von Sir Harold Ridley in London implantiert. Sie war aus Polymethylmethacrylat (PMMA, auch bekannt als Plexiglas) hergestellt. Mit der Einführung von Polypropylen wurden leichtere und vor allem flexible Linsen entwickelt, was das Einsetzen immer mehr vereinfachte und sicherer machte. Heute gibt es zahlreiche Typen und Modelle von IOLs für unterschiedliche Zwecke, jeweils mit ihren Vor- und Nachteilen.

Die häufigste Art der IOL wird in den Kapselsack des Auges eingelegt, nachdem die natürliche Augenlinse (bspw. wegen eines grauen Stars) daraus entfernt wurde. Solche Linsen werden „aphakische IOLs“ genannt. Die zweite Art von IOL, die so genannte phakische IOL, wird in das Auge, zusätzlich zur natürlichen Linse implantiert. Damit kann man größere Brechungsfehler des Auges korrigieren.

Ein Überblick über die Varianten

Die derzeit verfügbaren IOLs können nach verschiedenen Kategorien eingeteilt werden. Die wichtigsten davon sind in der Tabellen unterhalb aufgeführt. Die ideale IOL sollte sich sowohl gut und sicher implantieren lassen und möglichst keine Komplikationen während und nach der Operation verursachen. Vor allem aber sollen sie dem Patienten die Vorteile einer langfristig guten Sicht ermöglichen. In den letzten Jahren geht der Trend zu faltbaren IOLs und besonders zu solchen, die für die Mikroinzisions-Kataraktoperation (MICS) geeignet sind. Dabei wird die IOL durch einen nur 2 mm langen Schnitt in der Hornhaut implantiert. Bei diesen Linsen handelt es sich normalerweise um einteilige IOLs aus hydrophilem Acryl. (hydrophob bedeutet wasserabweisend, das Gegenteil ist hydrophil).

Allgemeine Einteilungskriterien der IOL-Varianten

Lage im Auge:Kapselsack, Vorder- bzw. Hinterkammer des Auges mit verschiedenen Fixierungspunkten
Grunddesign:dreiteilig/einteilig
Gesamtlänge:10-13 mm
Optisches Material:Fest (PMMA), flexibel (Silikon), faltbar (hydrophobes Acryl, hydrophiles Acryl)
Brechungszahl:1.42–1.55 Dioptrien
Optik:multifokal, sphärisch, asphärisch, torisch, multifokal-torisch
Haptik:dreiteilig/einteilig, Haptik-Material (PMMA, PVDF, Polyamid
Art der Implantation:injizierbar, nicht injizierbar

Lage im Auge

Bei den meisten IOLs handelt es sich um so genannte aphake Linsen, die anstelle der natürlichen Linse im Kapselsack des Auges liegen. Eine phake IOL wird zusätzlich zur körpereigenen Linse in das Auge implantiert. Je nachdem, wo das geschieht, unterscheidet man zwischen Vorderkammer- (sie liegt zwischen Hornhaut und Iris) und Hinterkammerlinsen (zwischen Iris und Augenlinse). Dabei gibt es jeweils verschiedene Möglichkeiten der Befestigungen und die Befestigungsteile der Linse (Haptik) sind entsprechend unterschiedlich gestaltet.

Aufbau der Linse

Einteilige Intraokularlinsen sind komplett aus einem einheitlichen Material geformt, während mehrteilige Intraokularlinsen aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt sind. Aufgebaut ist eine Intraokularlinse aus der zentralen optischen Linse und – bei phaken Linsen – den Strukturen am Rand, die die Linse im Auge fixieren, die so genannte Haptik. Die Haptik kann verschiedene Formen aufweisen. Der Durchmesser der optischen Zone beträgt meist rund 6 mm (zwischen 5 und 7mm). Mehr zur Haptik der Linsen finden Sie hier.

Anhand des Materials können die Linsen in harte IOL und weiche, faltbare IOL unterteilt werden. Faltbare Linsen bestehen aus Acryl, Silikon oder Hydrogel. Die harten Linsen bestehen aus Polymethylmethacrylat (eine Art Plexiglas).

Der Vorteil der faltbaren Linsen besteht darin, dass für die Implantation ins Auge nur ein wesentlich kleinerer Einschnitt nötig ist. Konventionelle faltbare Linsen können durch einen etwa 3 mm großen Einschnitt implantiert werden. Moderne MICS-Intraokularlinsen (MICS = Micro Incision Cataract Surgery) benötigen nur noch einen Einschnitt von unter 2 mm.

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Optik der Linsen

Nach den optischen Eigenschaften werden folgende Linsenarten unterschieden:

  • Multifokale Linsen haben zwei oder mehr Brennweiten, was den Effekt der Altersweitsichtigkeit kompensiert und eine zusätzliche Lesebrille überflüssig machen kann.
  • Positiv brechende IOLs werden implantiert, wenn das Auge weitsichtig ist.
  • Negativ brechende IOLs werden implantiert, wenn das Auge kurzsichtig ist.
  • (Zusätzlich) torische IOLs werden bei mäßigem bis starken Astigmatismus (Stabsichtigkeit) implantiert.

Außerdem unterscheidet man sphärische und asphärische Linsen. Asphärische Linsen bieten eine bessere Abbildungsqualität gegenüber herkömmlichen sphärischen Modellen.

Standard- oder Premiumlinsen

Bei der Auswahl der Intraokularlinsen zur Behandlung eines Grauen Stars stehen Ihnen grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Eine Standardlinse oder eine Premiumlinse.

Eine Standardlinse (monofokale Linse) bietet Ihnen nach der Operation des Grauen Stars scharfe Sicht in der Nähe oder in der Ferne. Meist wählt der Augenarzt die Ferne, für die Nähe benötigen Sie dann eine Lesebrille. Die Standardlinse ist von der optischen Qualität natürlich ebenfalls hochwertig, bietet jedoch im Gegensatz zu Premiumlinsen keine Zusatzfunktionen.

Premiumlinsen empfiehlt Ihnen Ihr Augenarzt, wenn Sie aus praktischen oder ästhetischen Gründen ganz oder zumindest größtenteils auf das Tragen einer Brille verzichten wollen. Premiumlinsen können Ihnen durch ihre Zusatzfunktion(en) mehr Unabhängigkeit von einer Brille bieten. Sie sollten sich von Ihrem Augenarzt eingehend untersuchen und beraten lassen, ob bei Ihnen die entsprechenden medizinischen Voraussetzungen für Premiumlinsen gegeben sind.

Premiumlinsen: Typen

Premiumlinsen, also Intraokularlinsen mit Sonderfunktionen, werden individuell ausgewählt, um sie optimal auf Ihre persönliche Lebenssituation abzustimmen. Wenn Sie zum Beispiel Sportler sind, viel (nachts) Autofahren müssen, viel am Monitor arbeiten oder oft lesen müssen, sollte das bei der Auswahl eine Linse berücksichtigt werden. Von der Korrektur einer Hornhautverkrümmung bis hin zu einem Leben ganz ohne Brille – es gibt hier viele Möglichkeiten.

Welche IOL ist die beste?

Intraokulare Linsen sind fast so einzigartig und so unterschiedlich wie ihre Träger. Wenn Sie also fragen: Welche Linse ist die beste?“, muss die Antwort lauten: „Jede und keine! Denn jeder Mensch braucht die Linse, die auf seine Sehgewohnheiten und Augen genau abgestimmt ist.“ Es gibt nicht die eine Linse für alle, sondern viele verschiedene Typen, optische Prinzipien, Stärken und Kombinationen davon. Dazu kommt noch, dass jedes Auge anders ist oder vielleicht sogar eine weitere Augenerkrankung vorliegen kann. All das kann sich auf die Auswahl der Linse auswirken. Ihr Augenchirurg wird Sie bei der Auswahl, der für Sie optimalen Linsen unterstützen.

Vorteile von Intraokularlinsen

  1. IOLs sind sie eine Alternative zu LASIK, einer Form der Laser-Augenchirurgie, die aber bei Menschen mit stärkeren Sehproblemen nicht angewandt werden kann.
  2. IOLs können die Notwendigkeit von Brillen oder Kontaktlinsen nach der Operation beseitigen oder zumindest reduzieren.
  3. Nach einer IOL-Implantation wird kein grauer Star auftreten, weil die natürliche Linse entfernt wurde.

Intraokularlinsen: Optik

Anhand der optischen Eigenschaften von Intraokularlinsen unterscheidet man zwischen folgenden Typen:

  • Positiv brechende Intraokularlinsen bei normal- oder weitsichtigen Augen.
  • Negativ brechende Intraokularlinsen, wenn der Patient kurzsichtig ist.
  • Torische Intraokularlinsen bei Augen mit Hornhautverkrümmung (Stabsichtigkeit).
  • Multifokallinsen haben zwei oder mehr Brennweiten für Nah- und Fernbereich.

Akkommodierende Intraokularlinsen ahmen die Einstellbarkeit der natürlichen Linse auf Nah- und Fernsicht nach.

Monofokale Linsen

Dies ist der häufigste Typus. Im Gegensatz zur natürlichen Linse, die sich in ihrer Krümmung (und damit in der Brechung) ändern kann, um das Auge auf unterschiedliche Entfernungen zu fokussieren, bleibt das IOL-Implantat in einer festen Entfernung fokussiert. Das heißt, die monofokalen Linsen sind so konzipiert, dass sie eine klare Sicht in einem einzigen Brennpunkt bieten (in der Regel für eine gute Sicht in die Ferne). Bei herkömmlichen IOLs müssen Sie normalerweise eine Brille oder Kontaktlinsen tragen, um einen Computer zu benutzen oder in der Nähe etwas zu sehen.

Multifokale Linsen

Wie Brillen mit Bifokal- oder Gleitsichtgläsern hat diese IOL verschiedene Brechungsbereiche, in denen Sie Objekte in unterschiedlichen Entfernungen sehen können. Es kann nach der Implantation einer solchen Multifokallinse aber mehrere Monate dauern, bis sich Ihr Gehirn so anpasst, dass Sie wieder (fast) wie natürlich sehen können. Durch den Einsatz von multifokalen IOLs sind die Patienten weniger oder überhaupt nicht mehr auf eine Brille angewiesen.

Anders als eine Standardlinse (mit nur einem Brennpunkt) bildet eine Multifokallinse also mehr als ein Bild auf der Netzhaut ab, denn sie hat zwei (bifokal), drei (trifokal) oder mehr Brennpunkte. Dadurch kann der Patient Objekte in der Nähe (z. B. beim Lesen), in der Ferne (beim Autofahren) und im dazwischenliegenden Bereich (bei der Arbeit am Bildschirm) deutlich und scharf sehen. Allerdings können die multiplen Brennpunkte eventuell zu etwas mehr Blendproblemen oder leicht verschwommener Fernsicht führen.

Multifokale Linsen: optische Typen

Bei multifokalen Linsen unterscheidet man außerdem unterschiedliche optische Typen:

Diffraktive Multifokallinsen

Die derzeit besten Ergebnisse für Patienten erreicht man mit sogenannten diffraktiven Multifokallinsen, die mit dem Prinzip der Lichtbeugung (Diffraktion) arbeiten. Was ist Diffraktion? Fällt Licht durch zwei sehr eng nebeneinander liegende Spalten, wird es ähnlich gebeugt, wie durch eine Linse gebrochen. Diffraktive multifokale IOL bestehen in der Regel aus einer normal brechenden (refraktiven) Vorderseite und einer diffraktiv brechenden Rückseite. Das Licht, das durch eine diffraktive multifokale IOL Linse fällt, wird also sowohl gebrochen wie gebeugt. Aus physikalischen Gründen entfällt dabei ein Teil des Lichts auf den Fernpunkt, ein weiterer Teil auf den Nahpunkt und ein Teil geht als Streulicht verloren.

Refraktive Intraokularlinsen

Das optische Prinzip der refraktiven multifokalen IOL unterscheidet sich grundlegend vom diffraktiven Prinzip. Je nach IOL hat die Linse zwei (bifokal) oder mehrere (multifokal) Zonen unterschiedlicher Brechungsstärken. Streulicht geht quasi nicht verloren. Dadurch sind die Lichtausnutzung und die Lichtverteilung besser. Nachteilig ist jedoch die Abhängigkeit der Sehrschärfe von der Pupillengröße und Zentrierung.

Die Kombination von diffraktivem und refraktivem Prinzip

Heute sind multifokale IOLs erhältlich, die die diffraktiven und refraktiven Eigenschaften kombinieren. Sie haben beispielsweise einen zentralen diffraktiven Anteil, der zum Rand der Linse abnimmt. Damit erreicht man einen besseren Übergang zwischen Nah- und Fernbereich und vermindert störende Lichtphänomene wie Reflexe und Halos (Lichtmuster). Der refraktive Anteil liegt bei diesen Linsen am Rand der Linse und soll beim Blick in die Ferne den Fernanteil verstärken.

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Trifokale Linsen

Trifokale Intraokularlinsen sind die neueste Generation von multifokalen IOLs. Sie ermöglichen Kataraktpatienten eine bessere und klare Sicht in allen Entfernungen. Im Gegensatz zu älteren Generationen von multifokalen IOLs, die insbesondere bei Nachtfahrten zu Blendung und Halos führten, bieten moderne trifokale IOLs eine klare Sicht im Fern-, Mittel- und Nahbereich, bei minimaler Blendung oder Halos bei Nacht.

Torische Linsen

Haben Sie eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus), wie etwa ein Drittel der Bevölkerung, kann Ihnen eine IOL mit Zylinder helfen (eine sogenannte torische IOL). Mit diesen Linsen lassen sich Hornhautverkrümmungen meist sehr gut korrigieren. Bei einem Astigmatismus ist die Hornhaut unregelmäßig geformt, wodurch Bilder verzerrt oder unscharf erscheinen. Eine punktförmige Lichtquelle wird auf der Netzhaut nicht als Punkt, sondern stabförmig abgebildet (daher der deutsche Begriff Stabsichtigkeit). Die unregelmäßige Lichtbrechung führt zudem zu Blendungen. Durch ihre spezielle zylinderförmige Lichtbrechung führt eine torische Linse bei Astigmatismus zu einer deutlich besseren Sehschärfe auch ohne Brille und einem erhöhten Kontrastsehen.

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Asphärische Linsen

Herkömmliche Intraokularlinsen haben ein sphärisches optisches Design, was bedeutet, dass die vordere Oberfläche gleichmäßig kugelförmig gekrümmt ist. Obwohl eine kugelförmige IOL relativ einfach herzustellen ist, entspricht diese Konstruktion nicht die Form der natürlichen Linse im Auge, die von Mitte zum Rand hin unterschiedlich gekrümmt ist. Das bedeutet, die natürliche Linse des Auges ist nicht sphärisch oder asphärisch. Warum ist das wichtig?

Eine sphärische IOL kann kleinere optische Fehler hervorrufen (so genannte Aberrationen höherer Ordnung). Diese können die Sehqualität beeinträchtigen, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen, wie z. B. bei Nachtfahrten. Asphärische IOLs hingegen passen sich der Form und optischen Qualität der natürlichen Augenlinse genauer an. Durch die asphärische Form der Linse werden auch die Lichtstrahlen, die am Rand der Linse auftreffen, in einem Punkt auf der Netzhaut gebündelt. Das ermöglicht ein besseres Kontrastsehen und weniger Blendung, was sich besonders bei schlechten Lichtverhältnissen auswirkt und bei Menschen mit größeren Pupillen. Jede Linse kann asphärisch sein: monofokal-asphärisch, multifokal-asphärisch und torisch-asphärisch.

Akkomodierende Linsen

Akkommodierende Linsen tragen flexible „Haptiken“, das sind Stützärmchen, die die IOL zentriert im Auge halten. Diese flexiblen Strukturen ermöglichen mitunter auch, dass sich die akkommodierende IOL bei Betrachtung naher Objekte leicht nach vorne bewegt. Dadurch wird eine bessere Nahsicht als bei einer herkömmlichen monofokalen Linse erreicht.

Akkommodierende-IOLs können allerdings nicht genauso gut auf die Nähe einstellen, wie dies bei multifokalen IOLs der Fall ist. Trotzdem können akkommodierende IOLs die Abhängigkeit von einer Brille nach einer Kataraktoperation stark reduzieren und ermöglichen eine außergewöhnlich klare Fernsicht, die der einer monofokalen IOL ähnelt.

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Unterschiedliche IOLs für jedes Auge

Manchmal erreicht man nach einer Kataraktoperation das beste visuelle Ergebnis, wenn man zwei verschiedene Arten von Premium-IOLs gleichzeitig verwendet. Zum Beispiel können Sie in einem Auge einen stärkeren Astigmatismus haben als im anderen. Wenn dies der Fall ist, kann Ihr Kataraktchirurg eine torische IOL in diesem Auge und möglicherweise eine akkommodierende IOL im anderen Auge empfehlen.

Monovision

Eine Alternative zu akkommodierenden und multifokalen IOLs zur Korrektur der Alterssichtigkeit ist die so genannte Monovision. Unter Monovision versteht man vielmehr die Technik, den Sehfehler eines Auges vollständig zu korrigieren und das andere Auge bewusst leicht kurzsichtig zu machen. In diesem Szenario sieht das voll korrigierte Auge deutlich entfernte Objekte (ohne Brille kann es aber nicht gut in die Nähe sehen), und das leicht kurzsichtige Auge sieht sehr gut in die Nähe ohne Brille (aber nicht so deutlich weit entfernt).

Monovision mag Ihnen seltsam vorkommen, wenn Sie es das erste Mal hören, aber diese Technik wird seit vielen Jahren sehr erfolgreich bei Kontaktlinsen verwendet. Und heute wird sie auch häufig bei der Kataraktchirurgie verwendet, um die Abhängigkeit des Patienten von Lese- und Mittelbereichsbrille nach der Operation zu verringern.

Jede Kombination von Premium-IOLs kann für die Monovisions-Kataraktchirurgie verwendet werden.

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Intraokularlinsen: Material

Intraokularlinsen werden aus verschiedenen Kunststoffen hergestellt, die wir im Folgenden kurz besprechen. Es gibt einteilige und dreiteilige Linsen, was sich auf die „Befestigungsstrukturen“, die Haptiken, bezieht, die für einen sicheren Sitz im Auge sorgen. Die Haptiken bestehen entweder aus dem gleichen oder einem anderen Material wie der optische Teil der Linse. Heutzutage werden meist weiche Intraokularlinsen benutzt, die zur Implantation ins Auge gerollt oder gefaltet werden, weswegen man nur einen kleinen Schnitt in der Hornhaut setzen muss.

Polymethylmethacrylat (PMMA)

PMMA, eine Art Plexiglas, war das erste Material für IOLs. Es ist ein starres, nicht faltbares, hydrophobes Material mit einem Wassergehalt von unter 1%. Der Brechungsindex ist 1,49, und der übliche optische Durchmesser dieser Linsen beträgt 5 bis 7 mm. IOLs aus PMMA können mit verschiedenen Vorrichtungen (Haptiken) ausgestattet sein, die der Zentrierung der Linse im Auge dienen. Bei einteiligen Linsen bestehen der optische Teil und die Haptik aus demselben Material. Bei dreiteiligen Linsen sind die Haptiken gesondert gefertigt. PMMA-Linsen sind in der Regel dünn, wegen der Steifheit des Materials ist aber ein relativ großer Schnitt im Auge erforderlich. Deswegen und aufgrund des niedrigen Brechungsindex werden IOLs aus PMMA heute eher selten verwendet. Nur bei Kindern werden sie wegen ihrer nachgewiesenermaßen langen Lebensdauer implantiert. Es gibt langjährige Erfahrung mit PMMA-Linsen. Sie werden allgemein gut vertragen und die Komplikationsrate ist niedrig.

Vorteile der PMMA-Linse:

  • jahrzehntelange Erfahrungen
  • relativ inerte Oberfläche

Nachteile der PMMA-Linse:

  • große Inzision (Schnitt in das Auge) notwendig
  • induzierter Astigmatismus (Hornhautverkrümmung)

längere Wundheilung

Bei der Entwicklung von faltbaren Acryllinsen, wollte man die positiven Eigenschaften des PMMA mit einer faltbaren Linse kombinieren. Man unterscheidet bei diesen Acryllinsen zwischen hydrophoben (wasserabweisenden) und in hydrophilen (wasserliebenden) Acryllinsen.

Hydrophobes faltbares Acryl

Als hydrophobe, faltbare Acrylmaterialien bezeichnet man eine Reihe von sogenannten Copolymeren von Acrylat und Methacrylat, die von steifem PMMA abgeleitet wurden, um das Material flexibel zu machen. Sie wurden 1993 eingeführt und entwickelten sich danach zu den erfolgreichsten IOLs. Hydrophobe faltbare Acryllinsen werden gefaltet ins Auge geschoben und nehmen in wenigen Sekunden wieder ihre ursprüngliche Form an. Hydrophobe Acryl-IOLs gibt es in dreiteiliger oder einteiliger Ausführung, die Optik-Durchmesser liegen zwischen 5,5 und 7,0 mm, die Gesamtlänge zwischen 12 und 13 mm, und der Brechungsindex zwischen 1,44 und 1,55. Hydrophob Acryl faltbare Linsen sind einfach zu implantieren, erfordern jedoch mindestens einen 2,2-mm langen Schnitt.

Hydrophile faltbare Acryl-Linsen

Hydrophile Acrylmaterialien bestehen aus einer Mischung aus Hydroxyethylmethacrylat (Poly-HEMA) und hydrophilem Acrylmonomer, zwei Verbindungen, die speziell für IOLs hergestellt wurden. Der typische Brechungsindex beträgt 1,43. Hydrophile Acryl-Linsen sind weich, etwas komprimierbar und werden wegen ihrer hydrophilen (gut wasserbenetzbaren) Oberfläche ausgezeichnet vom Organismus vertragen. Die Anzahl und Form der Haptik variieren stark. Die meisten IOLs sind Einzelstücke und werden mit wenigen Ausnahmen für Kapselsackimplantation entwickelt. Sie können durch Schnitte von weniger als 2 mm implantiert werden und sind ideale Linsen für MICS (Mikroinjektion). Wegen der einfachen Handhabung, der kleinen Schnittgröße und dem geringen Risiko für Komplikationen während der Operation sind hydrophile IOLs in Europa sehr beliebt.

Silikon

Polymere aus Silikon werden seit 1984 als IOL-Material verwendet. Silikon ist hydrophob, also wasserabstoßend und flexibel, so dass die Linsen in einen Schnitt implantiert werden können, der kleiner ist als der Durchmesser der IOL. Aktuelle Linsenmodelle haben eine dreiteilige Haptik aus PMMA, Polyvinyldifluorid (PVDF) oder Polyamid. Der Brechungsindex liegt in der Regel zwischen 1,41 und 1,46, der Optik-Durchmesser beträgt 5,5 bis 6,5 mm. Wegen des niedrigen Brechungsindex ist die Linse ziemlich dick und erfordert Schnitte von mehr als 3,2 mm. Inzwischen wurden aber Injektorsysteme für Silikon-IOLs entwickelt, die die Implantation einfacher und sicherer machen. Der sterile Injektor reduziert das Infektionsrisiko und benötigt keine Schnitterweiterungen. Silikonlinsen entfalten sich im Auge allerdings nicht so kontrolliert wie faltbare Acryllinsen. Deshalb und weil sie nicht für Mikroinjektions-Systeme (MICS) geeignet sind, werden Silikon-Linsen heute nicht mehr so häufig verwendet.

Intraokularlinsen: Haptik

Unter der Haptik von Intraokularlinsen (IOL) versteht man Befestigungsstrukturen am Rand der IOLs, die für einen sicheren Sitz und eine korrekte Zentrierung der Linse im Auge sorgen. Man unterscheidet die Linsen anhand der Form und des Materials ihrer Haptiken. Bei den einteiligen Linsen besteht der optische Teil und die Haptik aus demselben Material, bei mehrteiligen Linsen sind die Haptiken gesondert gefertigt. Materialien für die Haptik sind am häufigsten PMMA und Polyvinylidenfluorid (PVDF), Polyimid (Elastimid) und Polypropylen.

Das Aussehen der Haptiken kann sehr unterschiedlich sein, häufige Designs sind:

  • C-Haptik
  • Z-Haptik oder Mehrschlaufen-Haptik
  • Open-Loop (offene Schleife)
  • Plattenhaptik
  • oder Kombinationen davon

Außerdem gibt es spezielle Haptiken für die Fixierung in Vorderkammerwinkel oder Iris.

Wird die IOL in den Kapselsack implantiert, also die Struktur, in der vor der Operation die natürliche Augenlinse saß, dann fixieren die Ärmchen (oder anderen Strukturen) der Haptik die Linse, indem sie Druck nach außen auf die Kapseltasche ausüben.

Um den Schnitt möglichst klein zu halten wird die Linse samt ihrer Haptik normalerweise im zusammengefalteten Zustand ins Auge implantiert. Nach der Implantation nimmt sie ihre ursprüngliche Konfiguration wieder ein.

Einteilige IOLs

Neue Fertigungsmethoden führten vor einigen Jahren zur Einführung von einteiligen Open-Loop-IOLs. Im Gegensatz zu mehrteiligen IOLs, die normalerweise aus zwei verschiedenen Materialien (für Optik und Haptik) bestehen, werden einteilige IOLs in einem einzigen Schritt aus einem Material von Hand zusammengebaut.

Einteilige IOLs sind in der Regel widerstandsfähiger gegen Beschädigungen, wenn sie mit Injektoren verwendet werden. Klinische Studien zeigten bisher keine signifikanten Unterschiede in den optischen Ergebnissen zwischen einteiligen und mehrteilige IOLs.

Intraokularlinsen: Häufig gestellte Fragen

Bei Intraokularlinsen unterscheidet man monofokale, multifokale, akkommodierende und torische Linsen. Als Patient sollten Sie die Vor- und Nachteile der verschiedenen Linsentypen einschätzen können. Aus diesem Grund finden Sie hier die Antworten zu einigen Fragen, die bei Ihrer Entscheidung für eine bestimmte IOL auftauchen können. Natürlich wird Ihr Augenarzt Ihnen diejenige Linse empfehlen, die für Ihre persönliche Situation und Ihre täglichen Bedürfnisse seiner Meinung nach am besten geeignet ist. Trotzdem ist es gut, wenn Sie selbst über die grundlegenden Fragen informiert sind, damit Sie sich ein eigenes Bild machen können.

Wie viel kostet eine Linsenimplantation?

Die Kosten einer Linsenimplantation liegen je nach Linsenart und Operationsverfahren zwischen 1.800€ bis 3.000 € je Auge. Monofokale Linsen Kosten rund 1.800 – 2.000 € pro Auge. Die Implantation für Multifokallinsen kostet zwischen 1.800 und 2.500 € je Auge und die Kosten für das Einsetzen phaker Linsen liegen durchschnittlich bei 2.000 – 2.500 € je Auge.

Übernimmt die Krankenkasse alle Operationskosten?

Nicht alle IOL-Typen werden von Ihrer Krankenversicherung voll getragen. Grundsätzlich übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für die herkömmlichen monofokalen Standardlinsen. Diese Linsen werden seit Jahrzehnten verwendet und am häufigsten implantiert. Monofokale Linsen sind so eingestellt, dass sie das bestmögliche, korrigierte Sehen entweder im Nah-, Mittel- oder Fernbereich bieten. Die meisten Menschen, die sich für Standardlinsen entscheiden, haben IOLs für Fernsicht und verwenden eine Lesebrille für Aktivitäten in der Nähe.

Eine konventionelle monofokale IOL bietet also in der Regel eine klare Fernsicht nach einer Kataraktoperation, aber Sie benötigen immer noch eine Lesebrille oder eine Computerbrille, um Objekte in der Nähe oder im Mittelbereich scharf zu sehen.

Je nach den medizinischen Voraussetzungen, nach Ihren Lebensgewohnheiten und Ihrem Wunsch nach Brillenfreiheit, kann Ihr Augenarzt Ihnen auch Premiumlinsen empfehlen. Diese haben Zusatzfunktion(en), die Ihnen mehr Unabhängigkeit von der Brille oder sonstige Vorteile bieten.

In vielen Bundesländern gilt für die Katarakt-Operation die Mehrkostenregelung. D. h. die Operation mit einer Standardlinse ist eine Kassenleistung. Als Patient müssen Sie jedoch die Mehrkosten für eine Premiumlinse bezahlen sowie die Kosten für zusätzliche Vor- und Nachuntersuchungen übernehmen, die bei der Implantation einer Premiumlinse erforderlich sein können. Sind Sie privat krankenversichert, sollten Sie vor der Operation klären, welche Leistungen Ihre Versicherung abdeckt.

Ein Vergleich unterschiedlicher Anbieter lohnt sich, um auch Inklusivleistungen und Kosten für Vor- und Nachsorgeuntersuchungen zu vergleichen. Um wirklich auf Nummer sicher gehen, ist es ratsam sich vor einer Operation mit den unterschiedlichen Angeboten an die jeweilige Krankenkasse zu wenden und die Kostenübernahme zu klären.

Was ist eine Hinterkammerlinse?

Die Hinterkammerlinse ist eine Form der implantierbaren und künstlichen Intraokularlinse. Sie wird zwischen der Iris und der Augenlinse in die sogenannte Augenhinterkammer eingesetzt. Im Unterschied dazu wird die Vorderkammerlinse zwischen Hornhaut und Linse des Auges eingesetzt.

Welche Intraokularlinse eignet sich bei Hornhautverkrümmung?

Bei einer Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) ist die Hornhaut – die klare vordere Haut des Auges – nicht rund und glatt wie eine Kugel, sondern eher gekrümmt wie ein Ei. Dies verzerrt oder verwischt das Sehen, sowohl im Nah- wie im Fernbereich. Für Menschen mit einem deutlichen Astigmatismus können torische IOLs die beste Wahl sein. Torische Linsen haben eine zusätzliche integrierte Korrektur für Astigmatismus, so dass Sie auf eine Brille ganz oder teilweise verzichten können.

Welche Nachteile haben multifokale Intraokularlinsen?

Neuere IOLs, sogenannte multifokale oder akkommodierende Linsen, können es dem Träger ermöglichen, sowohl nahe als auch entfernte Objekte scharf zu sehen. Inzwischen können sie auch die Notwendig für Brillen oder Kontaktlinsen reduzieren oder beseitigen. Diese Linsen sind jedoch deutlich teurer und meist nicht durch die Versicherung abgedeckt. Mitunter brauchen manche Patienten zum Lesen und Ausführen anderer Aufgaben im Nahbereich immer noch eine Brille.

Wenn Nachtfahrten für Sie wichtig sind, sind multifokale Linsen möglicherweise nicht die beste Option. Bei diesen Linsen können störende Phänomene auftreten, wie Blendeffekte, Lichthöfe bei Gegenlicht oder verminderte Sehschärfe, insbesondere bei Nacht oder bei schwachem Licht. Die meisten Menschen können ihr Sehen entsprechend anpassen, wenn Sie aber häufiger nachts fahren, sind Sie vielleicht mit monofokalen IOLs zufriedener.

Was passiert beim grauen Star?

Beim grauen Star trübt sich die Augenlinse langsam ein. Dies ist meist die Folge eines natürlichen Alterungsprozesses. Im Alter zwischen 50 und 64 Jahren haben 50% der Bevölkerung einen Grauen Star (Katarakt), zwischen 65 und 75 Jahren sind es deutlich über 90%. Bei der Hälfte der Patienten bis 75 ist das Sehvermögens beeinträchtigt, vor allem durch verschwommenes oder getrübtes Sehen. Die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit ist eine sogenannte Kataraktoperation. Man schätzt, dass jedes Jahr etwa 700 bis 800.000 Kataraktoperationen durchgeführt werden, um die Sehkraft wiederherzustellen.

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