Hornhaut-Transplantation: Antibiotikum könnte Kortison abdingbar machen

Die Hornhaut-Transplantation hat sich in der modernen Augenheilkunde längst als Routineeingriff etabliert: Jahr für Jahr bekommen in der Bundesrepublik mehr als 5.000 Patienten eine neue Hornhaut für das Auge verpflanzt – der Organspende sei Dank. Erstaunlich: Mit einer anschließenden Erfolgsquote von über 90% gilt die Hornhaut-Verpflanzung heutzutage als die sicherste Organtransplantation überhaupt.

Kommt es im Nachgang der Operation trotzdem zu einer Entzündung, greift der behandelnde Arzt bislang zu kortisonhaltigen Augentropfen. Unbehandelt könnte die Entzündung ansonsten zu einer Abstoßungsreaktion des Körpers führen. Die Behandlung mit Kortison ist zwar vielfach erprobt und vergleichsweise wirksam, aber dennoch mit Risiken und womöglich auch Nebenwirkungen verbunden. Nicht zuletzt diese Tatsache führte die Mediziner verstärkt zum Antibiotikum Azithromycin, das die Erfolgschancen der Transplantation nach neusten Erkenntnissen erhöhen und das Entzündungsrisiko weiter reduzieren kann.

Kortison kann die Wundheilung verlangsamen und die Infektionsgefahr durchaus erhöhen. Im Extremfall kann eine entsprechende Behandlung sogar die Transparenz der neu implantierten Hornhaut und damit das Sehvermögen des Betroffenen mindern – eine Entwicklung, die den gesamten Eingriff in Frage stellen kann.

Die alternative Behandlung mit Azithromycin ist wohlgemerkt nicht neu: Bereits seit Jahren verschreiben Augenärzte das Mittel bei eitrigen Lid- und Bindehautentzündungen, aber auch bei Entzündungen der Hornhaut. Doch erst in letzter Zeit haben Studien nahegelegt, dass Azithromycin neben der antibiotischen auch eine antientzündliche Wirkung entfalten und damit eine echte Alternative zu Kortison darstellen kann. Nun braucht es mehr klinische Studien, um die These nachhaltig zu manifestieren.