Google Glass kommt nicht in die Gänge – droht der Flop?

Google Glass & Co: Große Ankündigung, fatale Bauchlandung

Als der kalifornische Suchmaschinen-Gigant Google sein ambitioniertes „Glass“-Projekt ankündigte, mangelte es nicht an Superlativen: Von einer „Revolution“ war die Rede, stellenweise auch vom ersten Schritt zum „Cyborg-Menschen“. Hinter „Glass“ steckt eine Brille mit einem integrierten, sprachgesteuerten Computer, die ihre Gläser als Anzeigefläche instrumentalisiert. Navigation via „Google Maps“ ist damit genauso möglich wie die frontale Aufnahme von Fotos und Video aus dem Sichtfeld des Trägers.

Mehr als zwei Jahre tüftelte Google an der kühnen Vision. Wer sich als Entwickler registrierte und einen vierstelligen Anschaffungspreis nicht scheute, konnte „Glass“ bereits anno 2013 im Alltag testen. Ursprünglich sollte das High-Tech-Gadget schon 2012 in den Handel kommen. Nach mehreren Verschiebungen scheint es nun, dass der erfolgsverwöhnte Konzern den langen Atem verloren hat: Anfang 2015 kündigte Google an, „Glass“ vorerst nicht weiter zu verkaufen. Gleichzeitig wurde das Projekt intern umstrukturiert und in eine andere Abteilung verschoben. Der Höhepunkt der Spekulation markierte Google-Finanzvorstand Patrick Pichette, der „Glass“ öffentlich als „Flop“ titulierte.

Spott und Häme musste das Projekt bereits in den Monaten zuvor erdulden. So soll beispielsweise Apple-CEO Tim Cook „Google Glass“ schon frühzeitig als unternehmerische Fehlentscheidung tituliert haben – alleine schon deswegen, „weil es eine Brille ist“. Tatsächlich hat sich Google ein schwieriges Betätigungsfeld ausgewählt: In einer Zeit wo Computer immer kleiner werden und der so genannte „Wearables“-Trend den Sprung in den Massenmarkt schafft, suchen Verbraucher eher nach unscheinbaren digitalen Helfern, die ihren Alltag leichter machen. Die „Google Glass“-Brille dagegen ist so präsent wie kein anderes elektronisches Hilfsmittel, hängt sie doch omnipräsent an der Nasenspitze des Anwenders.

Das Thema Datenschutz dürfte ein weiteres Hinderniss für den „Glass“-Vertrieb gewesen sein: Noch bevor die ersten Prototypen verschickt wurden, entfachte eine Debatte um die Foto- und Videoaufnahmefunktion der Datenbrille. Wer einem „Google Glass“-Träger gegenübersitzt kann schließlich nicht erkennen, ob er/sie gerade aufgezeichnet wird. Als erste Entwickler automatische Gesichtserkennungsanwendungen für „Glass“ ankündigten, die Anhand biometrischer Merkmale Informationen zu den Personen im Sichtfeld des Trägers ausgeben, haben erste Länder gar prophylaktisch Vertriebsverbote für das noch nicht offiziell lancierte Produkt ausgerufen.