Die Gleitsichtbrille – Was Sie wissen sollten

Gleitsichtbrille
Pixabay
Anzeige
ocuvers wipes (700x160)

Eine Gleitsichtbrille hat die besondere Eigenschaft, mehrere Sehschwächen mit nur einer Brille korrigieren zu können. Als sogenannte Mehrstärkenbrille korrigiert sie die zunehmende Alterssichtigkeit sowie eine bestehende Kurzsichtigkeit und ist für Menschen ab 40 Jahren oft die beste Wahl. Dafür werden spezielle Gläser an die Bedürfnisse des Kunden angepasst, die verschiedene Sehbereiche für die Korrektur der Fehlsichtigkeit enthalten. Erfahren Sie in diesem Beitrag mehr über die Funktion, Qualitätsstufen und die Vor- und Nachteile einer Gleichsichtbrille.

Gleitsichtbrille: Einführung

Viele Menschen ab dem 35. Lebensjahr kennen die Situation: Sie sitzen abends gemütlich vor einem Buch und haben Probleme, die kleine Schrift zu lesen. Das ist oft ein erstes Anzeichen für die sogenannte Alterssichtigkeit (Presbyopie), die praktisch jeden Menschen zwischen 35 und 50 Jahren irgendwann betrifft. Dabei handelt es sich um einen normalen Alterungsprozess, bei dem das Auge zunehmend an Elastizität verliert und nicht mehr in der Lage ist, Dinge, die nahe vor dem Auge sind, scharf zu fokussieren.

Um die Alterssichtigkeit auszugleichen reicht anfangs in der Regel eine Lesebrille. Oftmals sind allerdings auch viele Menschen von einer Kurzsichtigkeit betroffen. Typischerweise kann man bei Kurzsichtigen oder Brillenträgern in der Anfangsphase der Presbyopie beobachten, dass sie die Brille nach oben schieben, abnehmen oder die Arme weit ausstrecken, wenn sie die Zeitung und andere Dinge in der Nähe betrachten wollen. Diese kurzfristige Lösung ist allerdings recht anstrengend und unpraktisch. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sollte eine Gleitsichtbrille in Betracht gezogen werden.

Durch die verschiedenen Sehzonen ermöglicht das Glas der Gleitsichtbrille ein stufenloses und gleitendes Sehen in allen Entfernungen. Die unterschiedlichen Sehbereiche sind dabei so präzise in das Glas eingearbeitet, dass sie von außen nicht sichtbar sind. Mittlerweile können Gleitsichtbrillen an unterschiedliche Nutzungsschwerpunkte angepasst werden, um die perfekte Sicht für den eigenen Nutzen zu gewährleisten. Ob als Panorama-Gleitsichtgläser für Autofahrer, spezielle Brillen für Smartphone-Nutzer oder angepasst an den persönlichen Arbeitsplatz, die modernen Gleitsichtbrillen können für die verschiedensten Orte und Einsatzbedürfnisse abgestimmt werden.


Gleitsichtbrille: Funktion

Die Gläser einer Gleitsichtbrille sind komplex aufgebaut und in der Herstellung sehr aufwendig. Sie sind in unterschiedliche Zonen aufgeteilt, die ineinander fließen. Die Gleitsichtbrille bietet gleichzeitig eine Korrektion für das Sehen in der Ferne und eine Korrektion für die Nähe. Darüber hinaus ermöglicht sie auch auf allen Zwischendistanzen eine scharfe Sicht.

Gleitsichtbrille Funktion
© Roman Sotola / stock.adobe.com

Der obere Zone des Glases ist der Fernsicht-Bereich, der einen störungsfreien Blick in die Ferne ermöglicht. Dieser Bereich korrigiert eine bestehende Kurzsichtigkeit und verbessert die Sicht in einer Distanz von 2 Metern oder mehr.

Die mittlere Zone wird auch als sogenannte Progressionszone (Übergangszone) bezeichnet. Hier werden alle Objekte, die sich in einer Zwischendistanz von 0,5 bis 2 Metern befinden, scharf abgebildet. Dazu gehören zum Beispiel das Armaturenfeld im Auto oder das Radio oder Navigationssystem.

In der unteren Zone der Gleitsichtbrille befindet sich der Nahsicht-Bereich. Dieser korrigert eine (Alters-) Weitsichtigkeit und ermöglicht ein störungsfreies Lesen. Um den Nahbereich besser korrigieren zu können, sind alle Gleitsichtgläser im unteren Sehbereich stärker gekrümmt. Dies ist nötig, um eine Zunahme der Dioptrien zu erzeugen.


Gleitsichtbrille: Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Kombination aus Fern- & Nahsicht in einer Brille: Eine Gleitsichtbrille ersetzt mehrere Brillen (Lesebrille, Fernbrille) und ermöglicht die gleichzeitige Korrektur von Hornhautverkrümmungen, Weitsichtig- und Kurzsichtigkeit.
  • Anpassbar an das Nutzungsverhalten: Ob für die Arbeit am PC, hohe Smartphone-Nutzung oder für Vielfahrer – dank unterschiedlicher Sehzonen kann ein Augenoptiker die Gleitsichtbrille individuell an die Sehbedürfnisse des Kunden anpassen.
  • Ästhetischer Vorteil: Gleitsichtbrillen wirken ästhetischer als andere Mehrstärkenbrillen (Bifokal- und Trifokalbrillen), da die verschiedenen Sehbereiche unauffällig und mit fließendem Übergang ins Glas eingearbeitet sind.
  • Keine Einschränkung in der Dioptrienzahl: Gleitsichtgläser sind bis zu +/- 10 Dioptrien anpassbar und eignen sich daher auch für stark Kurzsichtige und Menschen mit Augenerkrankungen.
  • Scharfes Sehen in jeder Entfernung: Die unterschiedlichen Sehzonen ermöglichen scharfes und klares Sehen in den Zwischendistanzen und eignen sich daher ideal z. B. für die Arbeit am PC.

Nachteile

  • Teurer als Einstärkengläser: Das aufwendige Herstellungsverfahren ist teurer als bei Einstärkengläser. Der Preis relativiert sich allerdings oft, da die Anschaffungskosten für eine Zweit- oder Drittbrille entfallen.
  • Eingewöhnungsphase: Das Sehen mit Gleitsichtbrille muss trainiert werden. So kann es in der Eingewöhnungszeit zu Kopfschmerzen oder Schwindel kommen. In der Regel gewöhnen sich die Augen nach wenigen Tagen an das neue Sehen.
  • Kopfbewegungen nötig: Aufgrund des schmaleren Sichtfeldes gegenüber einer Einstärkenbrille wird sich das gewohnte Sehverhalten etwas ändern. Der Kopf muss den Augenbewegungen nach links oder rechts folgen, damit der Blick nicht in die Unschärfebereiche an den Rändern des Gleitsichtglases führt.
  • Schaukeleffekte: In den Randzonen können Linien und Ebenen zunächst verzerrt erscheinen. Mit der Zeit gewöhnen sich viele Träger einer Gleitsichtbrille daran.
Gleitsichtbrille Vor- und Nachteile

Gleitsichtbrille: Qualitätsstufen

Gleitsichtbrillen werden in unterschiedlichen Qualitätsstufen und Arten angeboten. Als Faustregel bei der Qualität gilt: Je schmaler der unscharfe Randbereich und je größer der nutzbare Bereich für den Träger, desto hochwertiger ist ein Gleitsichtbrillenglas. Auch wie der Übergang vom Fern- zum Nahsehen verläuft, ist je nach Qualität des Brillenglases unterschiedlich. Bei Premiumgläsern ist der Übergang im besten Fall sanft gleitend, kann bei niedrigerer Qualität aber auch abrupt oder holprig erfolgen. Wer sich für eine Gleitsichtbrille entscheidet, kann in der Regel zwischen drei Qualitätsstufen wählen:

  • Einfaches Gleitsichtglas: Bei dem oft auch als „Basic“-Glas bezeichneten einfachen Gleitsichtglas sind die nutzbaren Sehbereiche am kleinsten. Der unscharfe Randbereich des Brillenglas ist vergleichsweise groß. Das bedeutet einen eingeschränkten Sehkomfort und eine erhöhte Eingewöhnungsphase.
  • Universales Gleichtsichtglas: Bei dieser Qualitätsstufe sind alle Sehbereiche gut nutzbar und die Sehbereiche deutlich größer als bei einem einfachen Gleitsichtglas. Dies führt zu einem höheren Sehkomfort und einer hohen Spontanverträglichkeit. Viele Hersteller bezeichnen diese Qualitätsstufe auch als „Komfort“-Gleitsichtglas.
  • Individuelles Gleitsichtglas: Mit der „Premium“- Qualitätsstufe unter den Gleitsichtgläsern erzielt der Brillenträger ein Maximum an optischer Abbildungsqualität und Sehkomfort. Es handelt sich bei einem solchen Glas immer um eine Maßanfertigung, die auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden abgestimmt ist. Allerdings sind die Kosten für Entwicklung, Design und Fertigung deutlich teurer als bei den anderen Qualitätsstufen.

Bei den Materialien der Gläser gibt es die Möglichkeit zwischen Glas, Kunststoff sowie Polycarbonat zu wählen. Möchte Sie besonders schlanke und leichte Brillengläser haben, ist es sinnvoll, auf höherbrechende Materialien wie spezielle Kunststoffe oder Polycarbonat zu setzen. Diese zeichnen sich zudem durch eine hohe Robustheit und Alltagstauglichkeit aus.


Gleitsichtbrille: Varianten

Durch die fortschrittliche Technik hat sich der Markt für Gleitsichtbrillen ist in den letzten Monaten und Jahren erheblich weiterentwickelt. Die verschiedenen Glashersteller sind dazu übergegangen, Glas-Designs zu entwickeln, die optimal auf die unterschiedlichen Bedürfnisse des Kunden und seiner Anwendungsschwerpunkte angepasst sind.

Eine mögliche Variante sind die sogenannten Panorama-Gleitsichtgläser, die vor allem für Autofahrer konzipiert sind. Panorama-Gleitsichtgläser sind vor allem für die Fernsicht optimiert und haben nur einen sehr kleinen Bereich für die Zwischendistanzen (Progressionszone). Da man beim Autofahren meistens den Blick in die Ferne, also auf die Straße, gerichtet hat oder nur die Amaturen im Nahbereich betrachten will, braucht man die Zwischendistanzen so gut wie nicht.

Gleitsichtbrille Computer
© dima_sidelnikov / stock.adobe.com

Für Menschen die viel an Bildschirmen arbeiten oder eine gute Sicht für die Nahsicht zum Lesen von Briefen oder Dokumenten brauchen, gibt es spezielle Arbeitsplatz-Gleitsichtbrillen. Diese verfügen über einen größeren Bereich für die Zwischendistanzen und ermöglichen so eine scharfe Darstellung vom Computer auf dem Tisch, Aktenordnern im Regal oder der gegenüber sitzenden Person. Im Vergleich zu einer normalen Gleitsichtbrille ist die Zone für die Zwischendistanzen deutlich größer und nach oben, in den Bereich der Fernsicht, verschoben.

Mittlerweile gibt es auch Smartphone-Gleitsichtbrillen, bei denen das Sichtfeld auf die den digitalen Lifestyle der Kunden und die kurze Distanz zum Handybildschirm, Tablet und Co optimiert ist. Gerade für Menschen die gern und viel im Freien unterwegs sind und dabei gleichzeitig ihr Smartphone nutzen wollen ist diese Variante sinnvoll. Ihnen ist eine gute Nahsicht genauso wichtig wie eine gute Fernsicht. Ähnlich wie die Gläser einer Autofahrer-Gleitsichtbrille ist die Zone für die Zwischendistanzen innerhalb des Glases recht klein, allerdings bei dieser Variante etwas weiter nach oben verschoben.


Gleitsichtbrille: Kosten

Die Kosten einer Gleitsichtbrille liegen deutlich über denen einer herkömmlichen Einstärkenbrille. Zwar sind die Ausgaben für das Brillengestell praktisch identisch, dafür ist die Herstellung von Gleitsichtgläsern aufgrund des aufwendigeren Verfahrens sehr viel teurer als bei herkömmlichen Einstärken-Brillengläser. Allerdings bieten sie den entscheidenen Vorteil, dass man nicht mehr ständig die Brille wechseln muss und so beim Sehen flexibel bleibt. Zudem wird der gleitende Übergang zwischen den unterschiedlichen Sehdistanzen von vielen Kunden als angenehmer empfunden als bei Bifokal- oder Trifokalbrillen.

Kostengünstige Gleitsichtbrillen werden von großen Online-Optikern oder Optikerketten inklusive Beratung, Untersuchung und Anpassung bereits ab 200 € angeboten. Diese besitzen jedoch meist einfache Gläser, die in Asien hergestellt wurden und nicht immer den üblichen Standards in Deutschland entsprechen. Darüber hinaus werden die kostengünstigen Gleitsichtgläser oft in einem Standarddesign hergestellt, das nur über eine schmale Zone für die Mitteldistanzen verfügt und in den Randbereichen links und rechts schnell unscharf wird.

Kunden, die ein hochwertiges Gleitsichtglas möchten, dass zum Beispiel getönt oder aus besonders dünnen Materialien ist, müssen schnell mit doppelt zu hohen Preisen rechnen. Ein individuell berechnetes Gleitsichtglas bei einem lokalen Augenoptiker liegt je nach Zusatzfunktionen bei über 400 Euro. Zusammen mit einem Brillengestell kann eine Gleitsichtbrille dann schnell zwischen 500-1000 Euro kosten. Auch wenn sich der Preis stark gegenüber den Online-Optikern oder Optikerketten unterscheidet, ist es für den ersten Kauf einer Gleitsichtbrille immer ratsam, ausgebildetes Fachpersonal aufzusuchen und sich eingehend beraten zu lassen.

Alle, die bei den hohen Kosten für eine Gleitsichtbrille erschrecken, sollten bedenken, dass sie ansonsten zwei Einstärkenbrillen bräuchten. Eine normale Brille um die Kurzsichtigkeit zu korrigieren und eine Lesebrille, um die Altersweitsichtigkeit im Nahbereich zu korrigieren. Die Ausgaben für eine Gleitsichtbrille sind dann gar nicht mehr so – vorausgesetzt, sie funktioniert tadellos.


Quellen:
Burk, A. & Burk, R.: Checkliste Augenheilkunde. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 6. Auflage, 2018.
Buser, A. & Friedburg, D. & Lachenmayr, B.: Auge – Brille – Refraktion. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 5. Auflage, 2016.
Kampik, A. & Grehn, F.: Augenärztliche Rehabilitation. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1. Auflage, 2005.

Sending
User Review
0 (0 votes)
Anzeige

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here