Falsche Brille aufgesetzt: Schwerer Autounfall in Nordrhein-Westfallen

Wird ein Autofahrer von der Sonne geblendet, kann es ziemlich schnell zu brenzligen Situationen kommen. Erst kürzlich berichteten wir, dass man bei einem Blendmoment von nur einer Sekunde bei Tempo 130 km/h auf der Autobahn über 35 Meter „blind“zurücklegt. Besonders gefährlich ist die tiefstehende Abendsonne der Spätsommermonate, wie man alljährlich an der Unfallstatistik ablesen kann. In den meisten Fällen trägt eine handelsübliche Sonnenbrille enorm zur Sicherheit aller Verkehrsbeteiligten bei. Wie die Nutzung einer Sonnenbrille ausnahmsweise auch nach hinten losgehen kann, beweist ein dramatischer Fall aus Düsseldorf.

Ende 2014 kam es hier an der Berliner Allee zu einem Unfall, bei dem eine Fußgängerin frontal von einem ungebremsten Fahrzeug erfasst wurde. Die Frau wurde dabei über das Auto geschleudert und schlug auf dem Asphalt auf. Wie durch ein Wunder blieb es lediglich bei Prellungen. Das pikante Detail: Die Fahrzeugführerin war nicht – wie im Führerschein eingetragen – mit einer Brille, sondern mit einer einfachen Sonnenbrille unterwegs. Die 40-jährige musste sich im Juni dieses Jahres daher wegen fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten.

Der Anklage nach folgte die Fahrerin „ihren modischen Vorlieben“, anstatt die vorgeschriebene Sehhilfe zu tragen. Die Verteidigung wiederum brachte vor, dass die Angeklagte vor Jahren eine Lasik-Operation in China durchführen ließ und daher nicht mehr auf eine Brille angewiesen sei. Als Beweis wurden verschiedene Schriftstücke in chinesischer Sprache vorgelegt, mit denen der Richter allerdings nichts anfangen konnte. Am Ende blieb die tatsächliche Sehstärke der Frau ungeklärt. Unbestritten war lediglich die Tatsache, dass die Fahrerin das Unfallopfer aufgrund der Sonnenbrille übersah – der tragische Zwischenfall ereignete sich nämlich in den Abendstunden.

Am Ende fiel das Urteil vergleichsweise milde aus: Neben dem Entzug der Fahrerlaubnis für sechs Monate wurde eine Geldstrafe in Höhe von 800 Euro verhängt. Es bleibt die Erkenntnis, dass man eine Sonnenbrille im Straßenverkehr auch ohne Sehschwäche ab dem späten Nachmittag wieder ablegen sollte.