Endokrine Orbitopathie: Schilddrüsenüberfunktion

Endokrine Orbitopathie
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Die endokrine Orbitopathie ist eine organspezifische Autoimmunerkrankung der Augenhöhle (Orbita), die auch Augenmuskeln, Gewebe und Augenlider mitbetrifft. Sie tritt meist als häufiges Begleitsymptom in Verbindung mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Morbus Basedow) auf, wobei Frauen erheblich häufiger betroffen sind als Männer.

Endokrine Orbitopathie: Ursachen

Eine genaue Ursache der endokrinen Orbitopathie befindet sich noch in der Erforschung. Es wird aber davon ausgegangen, dass es sich um eine erblich bedingte Autoimmunerkrankungen handelt, bei denen sich das Abwehrsystem des menschlichen Körpers irrtümlich gegen den eigenen Organismus wendet. In diesem Fall löst das Immunsystem des Körpers irrtümlich eine Abwehrreaktion gegen die Bindungsstelle (Rezeptor) für das die Schilddrüse stimulierende Hormon TSH aus.

Diese Rezeptoren finden sich auch im Gewebe der Augenhöhle, wodurch es infolge der Abwehrreaktion gegen den TSH-Rezeptor zu einer Entzündung in dieser Körperregion kommt. Des Weiteren regen die Antikörper eine Vermehrung von Fett- und Muskelgewebe hinter dem Augapfel an, wodurch es zu dem typischen Symptom der hervorstehenden Augen kommt. Als primärer Risikofaktor ist vor allem das Rauchen zu nennen. Je stärker an Morbus Basedow erkrankte Patienten rauchen, desto häufiger wird die Schilddrüsenüberfunktion von einer endokrine Orbitopathie begleitet.


Endokrine Orbitopathie: Symptome

Eine endokrine Orbitopathie ist von unterschiedlichen Symptomen begleitet. Auffälligstes Symptom einer Endokrine Orbitopathie sind hervorstehenden Augen, hochgezogene Oberlider und die damit einhergehende Erweiterung der Lidspalte. Ausgelöst wird das auffälligste Anzeichen einer endokrine Orbitopathie durch eine strukturelle Veränderung des Muskel-, Fett- und Bindegewebe hinter dem Augapfel.

Weitere Symptome sind:

  • Schmerzhafte Einschränkungen der Augenbewegungen
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Vergrößerung der Schilddrüse
  • Sehen von Doppelbildern
  • Fremdkörpergefühl
  • Bindehautentzündung
  • Unvollständiger Lidschluss
  • Quetschung des Nervus opticus mit Einschränkung in Farbsehen und Sehstärke (Visus)

Endokrine Orbitopathie: Behandlung

Wichtigste therapeutische Maßnahme ist meist das Erreichen einer normalen Schilddrüsenfunktion. Tritt eine endokrine Orbitopathie trotz normaler Stoffwechsellage auf, ist ein Therapieversuch mit hohen Dosen eines direkt in die Vene verabreichten Kortison-Medikaments meist Mittel der Wahl. Kortisonmedikamente unterdrücken die irrtümliche Abwehrreaktion des Abwehrsystems gegen den eigenen Körper und können so oft die Größenzunahme von Fett- und Muskelgewebe hinter dem Augapfel aufhalten. In seltenen Fällen werden zusätzlich zum Kortison weitere Medikamente verabreicht oder eine Röntgenbestrahlung hinter dem Augapfel durchgeführt um den Verlauf der Erkrankung günstig zu beeinflussen.

Entwickelt sich im Rahmen der Erkrankung ein starker Druck auf den Sehnerv, der zu einem vollständigen Verlust der Sehkraft führen kann, dann ist eine operative Behandlungsmöglichkeit angezeigt. Dabei werden knöcherne Teile aus der Augenhöhle entfernt, damit das Gewebe hinter dem Augapfel weiteren Raum zur Ausdehnung hat und der Druck auf den Sehnerv abnimmt.


Quellen:
Erb, C. & Schlote, T.: Medikamentöse Augentherapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 6. Auflage, 2016.
Kampik, A.: Augenärztliche Rehabilitation. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1. Auflage, 2005.
Leydhecker, W.: Augenheilkunde. Springer-Verlag, Heidelberg, 23. Auflage, 1987.

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