Dresdener Forscher lassen blinde Mäuse wieder sehen

AMD-Forschung: Dresdener Forscher schenken blinden Mäusen Sehkraft

Die so genannte altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist heute die häufigste Ursache erworbener Erblindungen. Alleine in Deutschland leiden schätzungsweise mehr als 4,5 Millionen Menschen an dem Krankheitsbild – Tendenz steigend, da AMD vor allem ältere Menschen betrifft. Im Gegensatz zu anderen Auslösern von Erblindungen besteht dieses Problem auch in den hochgerüsteten Industrienationen. Dementsprechend rege arbeiten Unternehmen, Universitäten und sonstige Forschungseinrichtungen an Lösungsansätzen für die Makuladegeneration.

Forscher der Technischen Universität Dresden verfolgen gegenwärtig einen Ansatz, bei dem „sehende“ Zellen (Fotorezeptoren) in ein erkranktes Auge transplantiert werden. Vereinfacht erklärt sterben jene Fotorezeptoren im Verlauf der AMD ab – die Netzhaut ist im Zuge dessen immer weniger in der Lage, einfallendes Licht zu verarbeiten. Am Zentrum für Regenerative Therapien der TU Dresden können solche Fotorezeptoren gezielt gezüchtet werden. Im nächsten Schritt werden sie Mäusen transplantiert, die ohne tageslichtempfindliche Zellen auf die Welt gekommen sind. Eine spezielle Züchtung macht es auch in diesem Fall möglich.

Der Versuch ist geglückt, konnten sich die transplantierten Sinneszellen doch problemlos in die Netzhaut der Mäuse integrieren. Wie gut die blinden Nager infolgedessen sehen können, lässt sich allerdings nur schwer festmachen. Das Problem: Mäuse sind mit ihrem stark ausgeprägten Gehör, ihrem Geruchssinn sowie den feinen Tasthärchen viel weniger auf ihre Augen angewiesen als der Menschen. Die Unterscheidung von blinden und sehenden Tieren in einem Käfig fällt dementsprechend sehr schwer.

Fest steht lediglich, dass die transplantierten Zellen tadellos funktionieren. Nun sollen Verhaltenstests nahelegen, ob sich die Mäuse tatsächlich besser orientieren können. Es gibt einen berechtigten Grund zur Hoffnung, dass dieser Vorstoß die AMD-Therapie perspektivisch enorm verbessern kann: Mäuse erkranken genauso wie wir Menschen – die Einführung jener Gen-Mutation, die beim menschlichen Auge eine Degeneration der Netzhaut auslöst, funktioniert auch beim Tier. Daraus leitet sich die simple Erkenntnis ab, dass auch der Weg der Heilung identisch sein dürfte.