Die Sehstörung RCS betrifft vor allem Männer


Sehstörung RCS: Die „Manager-Krankheit“ des Auges

Bei der Augenerkrankung Retinopathia centralis serosa (RCS) gelangt Flüssigkeit aus der Aderhaut über ein Leck in der Bruchmembran unter die Netzhaut. Letztere wird infolgedessen örtlich begrenzt und im nächsten Schritt von der Pigmentschicht abgehoben – in diesem Zusammenhang spricht der Spezialist von einer „schwellungsbedingten Netzhautablösung“.

Irgendwann hat die Augenarztzunft festgestellt, dass der typische RCS-Betroffene einem bestimmten Muster folgt: Zumeist erkranken Männer zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr, die dynamisch, ungeduldig und karriereorientiert durch das Leben schreiten. So war es kein Zufall, dass die kryptische Fachbezeichnung Retinopathia centralis serosa irgendwann den Spitznamen „Manager-Augenkrankheit“ verpasst bekommen hat, obwohl selbstverständlich auch Nicht-Manager ein entsprechendes Leiden entwickeln können.

Es gilt jedoch als sicher, dass anhaltender Stress im Berufs- und Privatleben die Entwicklung von RCS nachhaltig begünstigt. Die Tatsache, dass entsprechende Erkrankungsfälle zunehmen, korreliert womöglich mit dem leistungsorientierten Zeitgeist der heutigen Gesellschaft. Spannend ist auch die Feststellung, dass immer mehr Frauen, die heute häufiger den je den „Karriereturbo“ zünden, an RCS erkranken.

Aktuell geht man davon aus, dass unter 10.000 Personen mehr als eine RCS-Diagnose ausgesprochen wird. Vielfach tritt das Leiden mit einem grauen Fleck im Gesichtsfeld in Erscheinung. Betroffene sehen Gegenstände urplötzlich verzerrt – insbesondere das Lesen fällt fortan schwer. Einfach gesprochen wird das Auge infolgedessen weitsichtig, was das Tragen einer Brille erforderlich macht. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen kann sich das geplagte Sehorgan selbständig erholen. In Extremfällen allerdings werden RCS-Patienten für mehrere Wochen krankgeschrieben.

Die genaue Ursache von Retinopathia centralis serosa ist bis heute umstritten. Der besagte Stress in Form des Hormons Kortisol gilt jedoch nach dem heutigen Stand der Augenheilkunde als wesentlicher Einflussfaktor. Daraus folgt allerdings nicht die Erkenntniss, das jeder Mensch mit einem überdurchschnittlichen Stresslevel an RCS erkrankt – am Ende des Tages ist der Grad der individuellen Stressverarbeitung womöglich ausschlaggebend.