Die Schilddrüse trägt zu unserer Farbwahrnehmung bei

An Mäusen nachgewiesen: Schilddrüse beeinflusst Farbwahrnehmung

Die Schilddrüse – eine schmetterlingsförmige Hormondrüse – ist ein zentraler Bestandteil unseres Körpers. Ist ihre Funktion gestört (Unter- oder Überfunktion), kann sie der Ursprung zahlreicher Erkrankungen sein. Unter anderem reguliert die Schilddrüse den Blutdruck und die Herzfrequenz. Während die diversen Formen der Schilddrüsenfehlfunktionen im Gebiet der Endokrinologie heute gut erforscht sind, ist die Erkenntnis, dass sie auch das (Farb-)Sehen im späteren Lebensverlauf beeinflussen kann, neu: Forscher haben in Versuchsanordnungen mit Mäusen festgestellt, dass die Hormondrüse für ein Gleichgewicht der farbwahrnehmenden Zellen des Auges verantwortlich ist.

Die Farbwahrnehmung des menschlichen Auges ist ein hoch komplexer Zusammenhang. Vereinfacht erklärt trifft Licht auf die Netzhaut, die aus lichtempfindlichen Sinneszellen (Photorezeptoren) besteht. Letztere bestehen in zwei Ausprägungen: Stäbchen und Zapfen. Stäbchen sind besonders leichtempfindlich, weisen jedoch allesamt das gleiche Absorptionsverhalten auf und können dementsprechend keine Farben unterscheiden. Die Zapfen, von denen der Mensch wiederum drei Typen besitzt, arbeiten in unterschiedlichen Spektralbereichen und können Farben unterscheiden. Aus diesem Grund werden sie auch Rot-, Grün- und Blaurezeptoren genannt.

Dass die Schilddrüse ein in Entwicklung befindliches Auge beeinflussen kann, ist bereits länger bekannt: So hemmt das Schilddrüsenhormon Triiodthyronin die Herstellung des Blau-Sehpigments und forciert gleichzeitig die Produktion des Grün-Sehpigments. Mit dem Übergang ins Erwachsenenalter endet dieser Einfluss, war sich die Forschung bis vor kurzem sicher. Anhand ausgewachsener Nager konnten Mediziner nun nachweisen, dass die Schilddrüse auch im späteren Verlauf des Lebens das Zusammenspiel aus Blau- und Grün-Sehpigment steuern kann. Ob dies auch für den Menschen gilt, ist noch unklar: Liegt ein entsprechender Hormonmangel vor, wird dieser für gewöhnlich aufgrund anderer, gravierender Folgen schnell ausgeglichen. Grundsätzlich ist der hormonelle Regelkreislauf bei allen Säugetieren gleich, so dass sich die Vermutung beim Menschen bestätigen könnte. Am Ende könnte die wichtige Erkenntnis stehen, dass eine im höheren Alter erworbene Schilddrüsenfehlfunktion eine fehlgeleitete Farbwahrnehmung verantworten kann.