Die Kontaktlinse ist eine deutsche Erfindung

Für viele Menschen ist sie aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: Die Kontaktlinse. In den letzten Jahren ist der kleine Helfer immer dünner, elastischer und pflegeleichter geworden. Die klassische Brille gerät infolgedessen immer weiter ins Hintertreffen. Wer denkt, dass es sich bei der Kontaktlinse um eine Erfindung der Neuzeit handelt, irrt gewaltig: Die ältesten Überlieferungen zum Thema datieren auf das Jahr 1508 – und stammen aus der Feder des Jahrtausendgenies Leonardo Da Vinci.

Etwa 100 Jahre später formulierte der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes die Idee eines mit Wasser gefüllten Glaskolben, der zwecks Sehkorrektur direkt auf das Auge gesetzt werden sollte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte der britische Astronom John Herschel eine gewölbte Kapsel mit Tier-Gelee-Füllung, die ebenfalls direkt auf dem Sehorgan platziert werden konnte. Trotzdem sollten noch mehrere Jahrzehnte ins Land gehen, bis die Grundidee konkretere Formen annahm.

Einen wesentlichen Beitrag zum heutigen Status Quo leistete der Deutsche August Müller (1864-1949), der als Erfinder der modernen Kontaktlinse gilt. Müller, der an einer enormen Kurzsichtigkeit (- 14 Dioptrien) litt, ließ aus mundgeblasenem Glas Skleraschalen schleifen. Später arbeitete er mit dem heutigen Optikmulti Carl Zeiss zusammen. Obwohl die ersten Prototypen viele Probleme mitbrachten und Zeiss zunächst nicht an einer Weiterentwicklung der Idee interessiert war, legte der in Mönchengladbach geborene Medizinstudent einen enorm wichtigen Grundstein für die Augenheilkunde von heute. Seine Erfindung taufte Müller schlicht „Hornhautlinse“.