Darum sind moderne Brillengläser so kostspielig

Moderne Brillengläser: Technische Kunstwerke, die ihren Preis haben

Wer sich zum ersten Mal in seinem Leben eine Brille zulegt, staunt nicht selten beim Kassensturz: Trotz des gesetzlichen Krankenkassenzuschusses muss man noch einiges draufzahlen, um in den Genuss der individuell korrigierten Sicht zu kommen.  Ist das in Zeiten automatisierter Fertigungsverfahren und allgegenwärtig verfügbarer Materialien tatsächlich gerechtfertigt? In der Tat, wie Ihnen der Optiker Ihres Vertrauens auf Anfrage gerne erläutern wird.

Fakt ist, dass hochwertige Brillengläser heute so komplex aufgebaut sind wie noch nie zuvor. Fakt ist auch, dass die individuelle Anpassung trotz modernster Technik noch immer menschliche Expertise und Feinarbeit erfordert – Arbeit, die entsprechend ihren Preis hat. Eine besondere Form der Brillengläser sind die so genannten Gleitsichtgläser, die Fern- und Nachkorrektur vereinen. Früher kannte man das Prinzip unter der Bezeichnung „Bifocal“. Noch früher wiederum mussten Betroffene stets zwei Brillen mittragen – eine für die Nähe und eine für die Ferne. Bifocal-Gläser gibt es bis heute noch, doch stehen diese den modernen, besonders feinen Gleitsichtgläser in verschiedenen Parametern nach.

Zu den bekanntesten Herstellern in diesem Segment gehören Essilor, Optovision, Rodenstock und Zeiss. Deutschland gilt rund um den Globus als technischer Vorreiter in diesem Bereich. Die einstigen Familienunternehmen sind mit der Zeit zu High-Tech-Schmieden aufgestiegen, auf deren Konto unzählige Patente gehen. Den vorgelagerten Forschungs- und Entwicklungsaufwand „made in Germany“ möchten jene Unternehmen natürlich irgendwann abgegolten haben, was für die Preisgestaltung bei modernen Brillengläsern einen wesentlichen Faktor darstellt.

Dazu kommt die Tatsache, dass jeder Mensch anders ist. Die Anforderungen an die individuelle Anpassung sind entsprechend hoch: Moderne Gleitsichtgläser werden computergesteuert auf den Millimeter genau gefräst und anschließend mit mehr als zehn Schichten veredelt. Obwohl Augenärzte und Optiker zumeist in Vierteldioptrieschritten denken, können Hersteller theoretisch in Hundertstelschritten optimieren und so eine nahezu perfekte Passgenauigkeit erreichen.

Das Höchste der Gefühle ist das so genannte Freiform-Herstellungsverfahren, das von den Branchenurgesteinen Rodenstock und Zeiss seit 2000 eingesetzt wird. Dabei wird auf möglichst gleichgroße Sichtfelder links und rechts sowie möglichst kleine Unschärfebereiche optimiert, um der individuelle Anatomie des späteren Trägers besser gerecht zu werden.