Berliner verlor 90% der Sehkraft bei Sonnenfinsternis – und kann heute wieder sehen

Eine Sonnenfinsternis ist ein Naturschauspiel, das von Jung bis Alt so ziemlich jeden packt – schließlich passiert es nicht alle Tage, dass die Sonne durch den Mond ganz oder teilweise verdeckt wird. Im 21. Jahrhundert hat es bislang 224 Sonnenfinsternis-Ereignisse gegeben, wobei nur ein Teil davon von Europa aus zu sehen war. Erstaunlich: Im Durchschnitt kann nur etwa 375 Jahre mit einer Sonnenfinsternis an einem bestimmten Ort gerechnet werden. Bereits Wochen vor dem errechneten Termin beginnt daher ein großer Rundumschlag in der Presse, der Hintergründe des Schauspiels erläutert und vor allem auf die Gefahren hinweist. 



Längst hat sich herumgesprochen, dass der direkte Blick in die Sonne während einer solchen Finsternis zu irreversiblen Schäden führen kann. Kostengünstige Einmalbrillen mit einem speziellen Filter können diese Schäden effektiv verhindern – sofern sie auch getragen werden. In den letzten 15 Jahren gab es immer wieder Berichte über Menschen, die sich trotz Vorwarnung nicht an die Maßgaben gehalten haben und teils massive Sehkraftschäden davontrugen. Ein solcher Fall ereignete sich auch bei der total Sonnenfinsternis am 11. August 1999 in Berlin: Ein damals 18-jähriger verlor durch den direkten Blick in die Sonne rund 90% seiner Sehkraft. 



Der Betroffene blickte zuvor mehrere Minuten lang ohne Sichtschutz in die Sonne und merkte nicht, wie seine Netzhaut im wahrsten Sinne des Wortes verbrannte. Hinterher begründete er dies schlichtweg mit Unachtsamkeit. Die damals zuständige Augenklinik Berlin-Marzahn verabreichte dem Patienten in den ersten 10 Tagen 1000 Milligramm Cortison pro Tag. Konnte der Betroffene anfangs nur noch einen weißen Fleck sehen, hat er seine Sehkraft heute nahezu vollständig wiedererlangt und ist im Besitz eines Führerscheins. 



Über die Totalheilung sind selbst die behandelnden Ärzte von einst erstaunt. Ein Erklärungsansatz: Der Betroffene war kurzsichtig, betrachtete die Sonnenfinsternis jedoch auch ohne seine reguläre Sehhilfe. Die Sonnenstrahlen wurden dadurch nicht direkt auf der Netzhaut, sondern bereits davor gebündelt – ein Effekt, der den Schaden am Ende des Tages im Rahmen hielt. Trotz dieses Extrembeispiels bedarf das Thema heute nach wie vor Aufklärung: Auch bei der großen Sonnenfinsternis am 20. März 2015 gab es in den hiesigen Augenkliniken Fälle mit mal mehr, mal weniger großen Netzhautbeeinträchtigungen durch direkte Sonnenlichteinstrahlung.