Augentraining – Sinn oder Unsinn?

Auf den ersten Blick klingt es zu schön, um wahr zu sein: Regelmäßiges Augentraining soll die Sehkraft nachhaltig konservieren, stellenweise gar verbessern – ohne kostspielige Eingriffe, vielfach angeblich sogar von zuhause. Die Idee ist nicht neu: Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren verschiedene Augentrainingstechniken verbreitet.

Mittlerweile gibt es Unternehmen, die spezielle Trainingskonzepte kommerziell vermarkten. Mal sollen sie eine Kurz– oder Weitsichtigkeit korrigieren, ein anderes Mal bei der Wiederherstellung der Sehkraft bei Amblyopie-Patienten helfen. Vor allem das so genannte Augentraining nach William Bates, das in den 1920er Jahren in Nordamerika und Europa die Runde machte, ist Gegenstand solcher Angebote.

Die Grundidee dieser und anderer Sehschulkonzepte ist schnell erklärt: Ausgehend von der Tatsache, dass sich die Augenlinse zur Scharfstellung verformen kann (sog. „Akkommodation“), nimmt man eine trainierbare Anpassungsfähigkeit des dafür verantwortlichen Muskels an. Der so genannte Ziliarmuskel lässt sich tatsächlich – in einem geringen Umfang – stählern, in dem man beispielsweise innerhalb eines kurzen Zeitraums durchgehend zwischen Nah- und Fernsicht wechselt. Die schlechte Nachricht: Der Muskel lässt sich nicht wie ein Bizeps immer weiter trainieren, geschweige den „fester“ oder „größer“ machen.

Augenärzte mahnen dementsprechend immer wieder, dass es keine fundierten wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit von Augentraining gibt. Einzig beim Thema Altersweitsichtigkeit ist man sich mittlerweile einig, dass gezieltes Augentraining die fortschreitende Verhärtung der Linse in einem begrenzten Umfang reduzieren kann. Dass Augentraining Brillen oder Kontaktlinsen wegzaubern kann, ist unabhängig vom Alter des Patienten allerdings auch weiterhin ein Trugschluss.