Augenerkrankungen sollen schon bald mit Gentherapie behandelt werden

Gentherapie direkt unter der Netzhaut soll vererbte Augenerkrankungen lindern

In einer immer älter werdenden Gesellschaft sind so genannte degenerative Augenkrankheiten ein spürbar wachsendes Problem. Hinter dem Fachbegriff „Makuladegeneration“ verbergen sich verschiedene Formen der Netzhauterkrankung, die zu einem stetigen Nachlassen der Sehschärfe und in letzter Konsequenz zu starken Sehbehinderungen oder gar Erblindung führen können. In den Industrienationen ist die altersbedingte Makuladegeneration für rund 32% aller Neuerblindungen verantwortlich.

Entsprechend groß sind die Bemühungen um verbesserte, alternative Behandlungsansätze für diese und verwandte Leiden des Auges. Wissenschaftler der renommierten University of Oxford arbeiten aktuell an einem besonderen Gentherapieansatz, der zunächst einmal Patienten mit irreversiblen, erblich bedingten Sehbehinderungen helfen soll.

Der verantwortliche Augenarzt Robert MacLaren testet das Verfahren laut dem Fachjournal „Technology Review“ aktuell an Patienten, bei denen keine alternativen Behandlungsmethoden mehr bleiben. Sie sind von der seltenen, erblich bedingten Choroideremia-Erkrankung betroffen, die pro 50.000 Menschen nur einmal diagnostiziert wird. Da das auslösende Gen auf dem X-Chromosom verankert ist, sind insbesondere Männer betroffen. Die damit verbundene Einschränkung der Sehkraft setzt bereits im frühen Kindersalter an und führt Jahr für Jahr immer weiter zur fast vollständigen Erblindung.

Bei MacLarens Ansatz wird eine Gentherapie direkt unter der Netzhaut des betroffenen Patienten durchgeführt. Die Hypothese: Je früher diese ansetzt, desto mehr Sinneszellen können erhalten bleiben. Eine gewisse Restsehkraft ist dementsprechend Voraussetzung.

Noch  befindet sich die Gentherapie in einer frühen Erprobungsphase. Dementsprechend fehlt es an belastbarem Material sowie der Indikation, ob eine solche Gentherapie auch zur Linderung anderer Augenerkrankungen herangezogen werden kann.  Experten von der John Hopkins University sowie dem Institut de la Vision in Paris mahnen daher zur Vorsicht und wollen weitere Erkenntnisse aus der Oxford-Forschung abwarten, heißt es im „Technology Review“ weiter.