Augenärztliche Früherkennung: Wenn es darauf ankommt auch via Ferndiagnose

Nach Erkenntnissen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) werden hierzulande alljährlich rund 4.000 Kinder mit einem Gewicht von weniger als 1.500 Gramm geboren. Solche „Frühchen“ kommen vielfach vor der 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Nach offizieller Definition gelten Säuglinge, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblicken, als besonders risikobehaftet – so unter anderem im Hinblick auf ihre Nierenfunktion, die Funktion des Immunsystems sowie die Entwicklung der Sehkraft. 



Um Sehschäden und gar Erblindungen bei Frühgeborenen zu verhindern, rät die DOG mit Nachdruck zu regelmäßigen augenärztlichen Voruntersuchungen. Die Intensivmedizin für Säuglinge habe dahingehend in den vergangenen Jahren große Sprünge gemacht – Eltern sollen das Angebot dementsprechend lieber ein Mal zu viel als zu wenig in Anspruch nehmen, so der Appell. Ein besonders hohes Risiko geht von der Netzhauterkrankung Retinopathia praematurorum aus, die in Europa zu den häufigsten Ursachen schwerer Sehbehinderungen im Kindesalter zählt. 



Bei dieser Indikation wuchern Blutgefäße aus dem Augenhintergrund und beschädigen so die noch weitgehend unreife Netzhaut des betroffenen Kindes. Die Netzhaut vernarbt im Zuge dessen und löst sich zunehmend ab, was zu irreversiblen Schäden führt. Die gute Nachricht: Diese und andere Diagnosen sind keine Einbahnstraße. Rechtzeitig erkannt, kann die Sehkraft durch die Gabe von Medikamenten sowie spezieller Laserbehandlungen in der Regel erhalten werden. Fortschritte gab es zuletzt insbesondere im Bereich der operativen Medikamenteneingabe. 



Eltern in ländlichen Gebieten ohne schnellen Zugang zu einem entsprechend ausgestatteten Kompetenzzentrum können für die Initialdiagnose immer häufiger auf telemedizinische Projekte zurückgreifen, bei denen das örtliche Krankenhaus die notwendigen Bilder zunächst einmal digital übermittelt. Ein angeschlossenes Kompetenzzentrum beurteilt auf dieser Basis, ob der Transport des Frühgeborenen zur weiteren Behandlung notwendig ist oder nicht. Entsprechende Vorstöße werden aktuell unter anderem von der bayerischen Staatsregierung, der Sparkassenstiftung sowie der Stiftung KUNO (Kinder-Universitätsklinik Ostbayern) gefördert.