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Legasthenie: Beim Verdacht auch den Augenarzt konsultieren

Legasthenie ist in den westlichen Industrienationen ein absolutes Tabuthema. Eine solche Lese- und Rechtschreibstörung fasst unterschiedlich gelagerte Schwierigkeiten bei der Deutung geschriebener und gesprochener Sprache zusammen. Experten gehen davon aus, dass etwa zwei bis vier Prozent aller Kinder an einer solchen Schwäche leiden. In einer durchschnittlichen Schulklasse mit 30 Teilnehmern ist demnach mindestens ein Legastheniker vorhanden, der in vielen Fällen mit einem enormen Leidensdruck umgehen muss. Legasthenie ist wohlgemerkt keine Frage des Alters oder der sozialen Schicht: Aktuell geht man davon aus, dass hierzulande etwa vier Prozent der Bevölkerung betroffen sind – dies entspricht mehr als vier Millionen Menschen. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein.

Je später eine Lese- und Rechtschreibstörung entdeckt und therapiert wird, desto geringer sind die Aussichten auf eine nachhaltige Verbesserung. Umgekehrt sind die Aussichten einer frühzeitigen Erkennung durch mittlerweile eingespielte Therapiemethoden sehr gut. Das Problem: Viele Betroffene können ihr Problem nicht genau festmachen und artikulieren. Gleichzeitig ist das Bewusstsein von Eltern und Lehrern selten richtig geschärft – so ist es nicht verwunderlich, dass viele Legastheniker über Jahrzehnte mit ihrem Leiden leben ohne dass die Umwelt davon etwas mitbekommt.

Das beschriebene Phänomen führt auch zu Fehldiagnosen: Nicht jede Leseschwäche manifestiert am
Ende des Tages echte Legasthenie. Stattdessen leiden Betroffene schlichtweg an Fehlsichtigkeit oder tragen eine falsche Brille bzw. Kontaktlinsen. Aus diesem Grund rät die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) bei Legasthenie-Verdacht auch zum Vorsprechen beim Augenarzt des Vertrauens. Dieser wird insbesondere die binokulare Funktion der Augen prüfen und kann am Ende mindestens ausschließen, dass die beobachtete Lese- und Rechtschreibstörung mit Fehlsichtigkeit zusammenhängt.

Kinder, die mit Legasthenie-Verdacht beim Augenarzt vorstellig werden, leiden neben Leseschwierigkeiten auch vielfach an Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. Ein möglicher Auslöser dieses Beschwerdebilds ist beispielsweise ein Schielleiden (Strabismus), das wiederum in frühen Lebensjahren zu einer so genannten Amblyopie führen kann. Bei dieser in späteren Lebensjahren irreversiblen Störung blendet das Gehirn die „Leitung“ zu einem der beiden Augen Stück für Stück aus.

Von |2019-05-02T14:04:55+02:004. März 2016|Tags: , , , , |
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