Augen-Checkup über das Smartphone schon bald Alltag?

Peek: Startup entwickelt die Augenarzt-Praxis für die Hosentasche

Wussten Sie, dass es südlich der Sahara etwa sechs Millionen blinde Menschen gibt? Zum Vergleich: In Deutschland zählte man anno 2004 etwa 164.000 Betroffene. Die ungewöhnlich hohe Zahl an signifikanten Sehbehinderungen in der Dritten Welt ist insbesondere der mangelnden medizinischen Versorgung sowie kaum vorhandener Sensibilisierung und Information der Menschen geschuldet. Die meisten Erkrankungen, die zu irreversiblen Sehbehinderungen führen, könnten in Afrika und anderen entwicklungsschwachen Teilen der Erde geheilt werden – rechtzeitige und fachmännische Behandlung vorausgesetzt. Hilfsorganisationen und Startups, aber auch große Konzerne tüfteln heute an innovativen Lösungen für dieses massive Problem.

Fakt ist: Gerade im strukturschwachen Afrika wird es mittelfristig keine vollumfängliche Versorgung mit (augen)ärztlichen Dienstleistungen geben. Gemeinnützige Vereine, die beispielsweise medizinische Camps unterhalten und kostenfreie Check-ups anbieten, sind trotz aller Bemühungen am Ende des Tages nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Um die breite Masse der Betroffenen schnell und kostengünstig zu erreichen, braucht es anderer Methoden. Ein Lösungsansatz hört auf den Namen „Peek“. Dahinter verbirgt sich eine Applikation, die handelsübliche Smartphones in eine mobile Augenarztpraxis verwandeln will.

Beispielsweise kann „Peek“ mit den vom Augenarzt um die Ecke bekannten Tafeln die Sehkraft des Betrachters testen. Hierzu muss der Patient oder ein Helfer das Smartphone nur im richtigen Abstand zum Auge halten und die angezeigten Zeichen ablesen (lassen). Darüber hinaus kann „Peek“ weitere Sehtests durchführen, so unter anderem unter Einbezug einer simplen Schablone.

Mit dem „Peek Retina“ bezeichneten Aufsatz lassen sich schließlich vollwertige Fotos des Augenhintergrunds anfertigen, mit denen ein über das Internet angeschlossener Augenarzt kritische Entzündungen per Ferndiagnose feststellen kann. Die Macher des Projekts geben an, dass ein solcher Augenarzt über die Peek-Plattform bis zu 1.000 Patienten pro Woche prozessieren kann, ohne physisch am Ort des Geschehens präsent sein zu müssen.

Bislang wurde das Projekt, das unter anderem von der International Agency for the Prevention of Blindness sowie Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird, mit Hilfe von Crowdfunding-Aktionen finanziert. Ende 2015 soll die Auslieferung des besagten „Peek Retina“-Aufsatzes beginnen.