AMD – Weniger Arzttermine durch neue Wirkstoffe?

Deutlich weniger Arzttermine – das dürfte für die meisten Patienten mit der Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) genauso wichtig sein, wie das Aufhalten oder zumindest Verlangsamen des Visusverlustes.

Neue Behandlungsschemata erfolgreich

Die Behandlung der Patienten mit feuchter AMD konnte inzwischen flexibler an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden – das Therapie-Regime „Treat-and-Extend“ (T&E) ermöglicht dies. „Ergebnisse großer Datenauswertungen vor allem aus Großbritannien und Australien legen nahe, dass mit T&E ebenso gute Ergebnisse erzielt werden wie mit den bisherigen Behandlungsschemata“, sagte PD Monika Fleckenstein, Leiterin des Klinischen Studienzentrums der Universitäts-Augenklinik Bonn, anlässlich des Kongresses der deutschen ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin. Für die Patienten fielen somit deutlich weniger Arzttermine an.

Neue Medikamente in Studien

Derzeit würden jedoch auch Medikamente getestet, die eine bessere Wirkung haben könnten. „Die neueren Wirkstoffe besitzen eine geringere Molekülgröße und dringen nach den Injektionen wahrscheinlich besser in die Netzhaut ein“, berichtete Fleckenstein. Es sei möglich, dass die Neuentwicklungen Brolucizumab (RTH258, Novartis) und Abicipar pegol (Allergan), die derzeit in großen klinischen Studien getestet würden, die Zahl der erforderlichen Arzttermine weiter senken könnten. Einer Unternehmensmitteilung zufolge, so Fleckenstein, seien unter der Therapie mit Brolucizumab bei der Hälfte der Patienten nur noch alle zwölf Wochen Injektionen notwendig.

Ein weiterer vielversprechender Therapieansatz sei die Kombination von den bekannten VEGF-Hemmstoffen mit Präparaten, die andere Signalwege der CNV-Entstehung (CNV=chorioidale Neovaskularisation, also die unerwünschte Gefäßneubildung in der Netzhaut) beeinflussen. Hiervon könnten beispielsweise sogenannte „Poor Responder“ profitieren, also Patienten, die auf die bisherigen Therapieangebote schlecht ansprechen. Solche Substanzen, die andere Signalwege beeinflußen, sind z.B. Antikörper gegen Angiopoetin 2. Angiopoetine sind Wachstumsfaktoren, die die Einsprossung von Blutgefäßen in Gewebe, die Angiogenese, steuern.

Noch keine Therapieoption bei Trockener AMD

Auch für die trockene AMD-Variante besteht Hoffnung auf zukünftige Behandlungsmöglichkeiten, berichtete Fleckenstein. Primäres Ziel derzeit laufender Studien sei, das Fortschreiten der charakteristischen geographischen Atrophie, also der Spätform der trockenen AMD, über die Zeit zu bremsen und somit den Visusverlust zu verlangsamen. Unterschiedliche Therapie-Konzepte, beispielsweise die Hemmung bestimmter Entzündungsreaktionen durch Komplement-Inhibition oder der Schutz der retinalen Sinneszellen vor dem Absterben mittels Neuroprotektion, kämen hier zum Einsatz. Ein Durchbruch bei der Behandlung der „trockenen“ AMD wie bei der feuchten Form habe allerdings noch nicht erzielt werden können.

Quelle:
© Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft DOG [1]