Amblyopie: Frühzeitige Vorsorgeuntersuchung für Kleinkinder unabdingbar

Die Amblyopie – häufig auch „stumpfes Auge“ oder „Lazy Eye“ genannt – bezeichnet eine in den meisten Fällen einseitige Sehschwäche, die sich im frühsten Kindesalter manifestiert. Sehr häufig ist ein nicht diagnostizierter Mikrostrabismus der Auslöser einer Entwicklungsstörung des Sehsystems, die letztendlich zur Amblyopie  führt. Konkret handelt es sich dabei um ein kaum wahrnehmbares Schielen, durch welches das Kind nicht mit beiden Augen ein- und denselben Punkt anvisieren kann. Infolgedessen „deaktiviert“ das Gehirn das schielende Auge fortwährend, wodurch die beschriebene Sehschwäche einsetzt. Theoretisch kann das Ausmaß der Sehbeeinträchtigung bis zur Blindheit reichen.

Tückisch: Die einseitige Amblyopie wird in der Regel nicht störend wahrgenommen, was die Diagnose in den ersten Lebensjahren eines Kindes enorm erschwert. Das Gehirn „kompensiert“ das jeweils unterentwickelte Auge, indem es das andere, unbeeinträchtigte Auge „scharfstellt“. Eine beidseitige Beeinträchtigung lässt sich im Vergleich dazu eher erkennen, da beispielsweise das optische Reaktionsvermögen des Kindes spürbar eingeschränkt daherkommt.

Jüngste Studien gehen davon aus, dass etwa 5 bis 6% der Deutschen an Amblyopie leiden. Wird die Sehschwäche nicht im frühen Kindesalter erkannt und behandelt, manifestiert sich die Beeinträchtigung irreversibel und damit für das ganze Leben. Im Hinblick darauf wird Eltern dringend nahelegt, im Verlauf der ersten Lebensjahre regelmäßig entsprechende Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen.

Werden Anzeichen einer Amblyopie festgestellt, ist die Behandlung simpel, schmerzfrei und höchst effektiv: Das „gute“ Auge wird mit einem Pflaster abgeklebt. Durch das erzwungene Sehen mit dem „schlechten“ Augen wird das Gehirn dazu angeregt, das Sehsystem dahingehend zu korrigieren. Je nach Stadium der Sehschwäche und Alter des Kindes kann der Behandlungserfolg bei 100% liegen. Besonders vielversprechend ist die Behandlung vor dem achten Lebensjahr. Vereinzelt kann die Methode noch bis zum 13 oder 14. Lebensjahr anschlagen. Grundsätzlich gilt jedoch: Je früher, desto besser.