ADHS: Kann das Aufmerksamkeitsproblem an den Augen abgelesen werden?

ADHS: Diagnose über Blick in die Augen?

Die so genannte Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – kurz ADHS – betrifft je nach Studie etwa 5,9 bis 7,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Die physische Störung setzt vielfach bereits im Kindesalter ein und äußert sich fortan durch eine mangelnde Aufmerksamkeitsgabe, Impulsivität und/oder eine ausgeprägte körperliche Unruhe. Betroffene Kinder haben im Zuge dessen beispielsweise mit sozialer Ausgrenzung und mangelnden schulischen Leistungen zu kämpfen.

ADHS ist vergleichsweise gut erforscht, die zugrundeliegende Diagnostik eingespielt – auch wenn die genaue Abgrenzung zu anderen, womöglich temporären Ursachen oftmals schwierig ist. Stets ist die Frage nach dem Norm im Raum – wann ist ein Betroffener einfach nur unruhig und wann wirklich ADHS-krank? Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Freiburg geht nun der Frage nach, in wieweit psychische Erkrankungen wie ADHS mit den Augen zusammenhängen.

So will die Fachabteilung für Experimentelle Neuropsychiatrie der Uniklinik Freiburg neue Wege finden, um Depressionen, ADHS, Zwangserkrankungen oder Schizophrenie objektiver festzumachen. Bislang findet die Diagnostik entsprechender Krankheitsbilder insbesondere auf Grundlage von Patientenbefragungen statt. In einem Fachartikel berichten die Freiburger nun über ein Phänomen, dass Sie bei ADHS-Patienten beobachtet haben: Setzt man deren Augen einem speziellen Bildrauschen aus, lässt sich eine mangelnde Adaptions- und Verarbeitungsfähigkeit feststellen. Auf diese Weise lässt sich die Erfolg oder Misserfolg einer ADHS-Therapie messen. Genauso aber ermöglicht die Methode erstmals eine objektive, belastbare Diagnose des „Zappelphilippsyndroms“.

Ein solcher Test kann mit einer präparierten Kontaktlinse durchgeführt werden, die mit speziellen Sensoren gespickt ist. Letztere messen die elektrische Aktivität der Netzhaut und damit ihre Reaktion auf bestimmte optische Reize – vergleichbar mit einem EKG. Der Proband wird vor einen Bildschirm gesetzt, auf dem Schachbrettfelder ständig die Farbe wechseln. Bei ADHS-Betroffenen löst diese gezielte Reizüberflutung ein ganz bestimmtes Muster aus, bei dem das Netzhaut-Hintergrundrauschen im Vergleich zur Signalaktivität deutlich erhöht daherkommt. Davon ausgehen werden die Wissenschaftler ihre Forschung weiter vertiefen.